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Stofflichkeit in der Kultur : Referate der 26. Österreichischen Volkskundetagung vom 10.-13. November 2010 in Eisenstadt
Entstehung
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Otto Höfler verwendet hatte. Kramer hatte den Herd und das Feuer als Zeichen fürden Hausstand schlechthin entschlüsselt. Mit Feuer und Rauch" im Ort ansässig zusein, bedeutete vollwertiger Gemeindegenosse zu sein. Ein Entzünden des Herdfeuersbegründete die Rechte des Hausherren wie sie der Akt des Auslöschens beendete.Aus der Bedeutung- der am Herdfeuer aufgenommene Fremde genoẞ im Hause Asyl,Schutz- resultieren Umgang wie auch aufwendige Ausgestaltung des Kesselhakens.Die Gestalt eines Gegenstandes, sein Stoff oder seine Funktion können Bedeutungsträ-ger werden. Kramer sprach von Gestalt-, Stoff- oder Funktionsbedeutsamkeit.

Derlei Wissen ist nicht vom Himmel gefallen. Für Kleriker, Architekten, Musiker, Bild-hauer und Maler gibt es frühe Verzeichnisse zu den stofflichen, geometrischen oderfarbigen Sinnträgern. Räumliche Anordnungen wie links und rechts" etwa könnenfür alt und neu" stehen und so gelesen werden. Der volkskundlich infizierte Kunst-historiker Thomas Raff hat sich dann später, 1994, mit Materialikonologie" und Ma-terialsemantik beschäftigt. Raff hat auch, wie ich meine zu Recht, auf die Gefahrender Überinterpretation in der Materialikonologie hingewiesen, die in eine Hysterie desDechiffrierens abrutschen kann.

Der hoch gelehrte Volkskundler Bernward Deneke hatte 1988 in unserer ZeitschriftÖZV darauf hingewiesen, dass im 19. Jahrhundert Surrogate höher angesehen warenals die Materialien, die sie imitierend ersetzen sollten. Welch irritierende Umkehrung!Kann man derart an Surrogate und Kopien denken? Ein Beispiel liegt in der Nähe:In der 1659 errichteten Gnadenkapelle des Wallfahrtsortes Maria Loretto wird eineSchwarze Madonna verehrt. Das Gnadenbild ist eine Material- Kopie der SchwarzenMadonna des italienischen Marienwallfahrtsortes Loreto. Kopien, so hat die Kirchedekretiert, seien so heilswirksam wie das Original. Die neue Münchner Hauptsyna-goge ist mit Zedernholz aus dem Libanon und hellem Jerusalem- Stein ausgekleidet.Symbolische Orte und ihre Materialien werden- wie hier- vereint und mit erzählterBedeutung ausgestattet, immer wieder neu gestiftet.

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Denkt man an die Kreativität urbaner Filz- Aktivistinnen, die uns auf den Weihnachts-märkten wieder begegnen werden, dann merken wir: es sind stoffliche Anmutungen,die uns im Leben und in der Wissenschaft- bewegen und die wir mit Zeiten, ihrenGestimmtheiten und Menschen und den Geschlechtern verbinden. Die Frage lautetdann: Welches Material, welcher Stoff taugt wofür? Und für wen? Wohin führt undverführt uns eine Materialbedeutsamkeit, die uns lehrt einzuschätzen und eine Orien-tierung als erstes Vor- Urteil anbietet.

Die Frage nach der Stofflichkeit, die uns beim Regenschutz höchst praktisch beschäf-tigt, ist auf dem Diskurs des kulturellen Höhenkamms vor allem an Kunstwerken unddort an besonders an Denkmälern diskutiert worden. Es gehört zu den Selbstver-ständlichkeiten, dass Metalle, Granit und Marmor dazu ausersehen sind, als Denk-malstoff angemessenes Material zu sein. Goethe war ein naturwissenschaftlicherStone- Maniac. Jörg Traeger hat einmal- im Zusammenhang mit der Walhalla beiRegensburg und ihrer Zeit( um 1840)- von der Marmorgemeinde gesprochen. Durab-ler und wiederentdeckt wertvoll gemachter Granit verträgt in die neuen Küchen hoch-symbolisch die steinerne Natur des Waldviertels, wie ihre Besitzer erklärend erzäh-len. Stoffe und Materialien werden mit Ethiken verknüpft und bekommen eine Moral

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