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Weihnachtskrippen in Steiermark : kleine Kulturgeschichte eines Volkskunstwerkes
Entstehung
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am Wendepunkt zwischen den Zeiten, in tiefer Mittwinternacht wirddas Erlöserkind geboren, das die neue, die wiederum wachsende Hel-ligkeit bringt. Fester Glaube an mythisch helfende Kräfte und ängst-liches Üben magisch wehrender Riten bestimmen das Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag  Brauchtum derMittwinterzeit, zumal der Zwölf Heiligen Nächte. In einer von ihr ver-körpert sich die Lichtsehnsucht der Menschheit, läßt das Heilshoffenin der Geburt des Kindes als einer religiösen Uridee der Menschenaller Religionen sinnbildhaft Gestalt annehmen.

Fest überlieferte Kultspeisen stehen den Seelen der Ahnen zu,die in diesen Nächten wiederkehren. Handgeformte Gebild-brote gehören zum mittwinterlichen Seelenfeste wie zur mittel-alterlichen Feier der Christgeburt. Noch haben sich diese Teigplasti-ken in menschlicher oder tierischer Gestalt da und dort in den Rand-bereichen des östlichen Mitteleuropa erhalten ¹). Erst gegen Ende desMittelalters gewöhnte man sich daran, den Kultbroten eine noch fest-lichere Gestalt dadurch zu geben, daß man sie in geschnitzte Hartholz-model drückte, deren Fertigung bis ins 19. Jahrhundert namenlos blei-benden Meistern zu danken ist. Sie schufen für die Lebzelter weitumim Lande manchen kunstvoll geschnitzten Teigmodel, in dem sichdie Tradition alter Gebildbrot- Verpflichtung zur Mittwinterzeit mithohem künstlerischen Formensinn einer handwerklichen Schnitzkunstverbindet.

Gebildbrote der Mittwinterzeit für Weihnachten und Neujahr wa-ren nur eine der Vorformen unserer Krippenkunst. Neben ihnen ste-hen, auf süddeutschem Boden mindestens seit dem 13.. Jahrhundert,sinnvoll wie sie ins Brauchtumsleben Glossar ::: zum Glossareintrag  Brauchtumsleben gebunden, die kleinen ,, Para-diesgärtlein", die Klausenbäumchen", die Weihnachtspyrami-den" und wie immer ihre Spätformen noch benannt werden; zarteGebilde aus roten Äpfeln, weißen Holzspänen und immergrünen Tan-nenreisern oder Buchsbaumzweiglein, die man wohl schon im Spät-mittelalter mit Kerzen besteckt in die Winterstube stellte. Als ,, Niko-lausgärtchen haben sie sich in Ober- und Niederösterreich und inBayern bis heute erhalten. Nicht allerdings in den innerösterreichi-schen Landen. Immerhin konnte sich daraus in sieghafter Sonderent-wicklung der lichtergeschmückte und gabenschwere Christbaum, dashellste Weihnachtssymbol unserer Zeit, entwickeln.

Letztlich hängen auch diese Paradiesgärtlein mit uralten Vorstel-lungen von, Weltenbaum" und, Weltenberg" zusammen, dieuns in iranischen Überlieferungen begegnen und in der christlichenUmwelt des Abendlandes Glossar ::: zum Glossareintrag  Abendlandes ihre theatralischen Gestaltungen innerhalbdes Erlösungsmythos erfuhren, als Szenerie des weihnachtlichen Krip-penberges mit seinen auch in den steirischen Beispielen deutlich er-kennbaren drei Stufen auf der einen Seite, als Schauplatz des öster-

1) Reiche Bild- und Schriftdenkmäler zur Kulturgeschichte und Volks-kunde der Weihnachtskrippe brachte die vom Österreichischen Museum fürVolkskunde in Zusammenarbeit mit den Kaufhäusern A. Gerngroß A. G. ver-anstaltete Ausstellung ,, Österreichische Weihnachtskrippen aus vier Jahr-hunderten. Weihnachtsbrauch, Krippenkunst, Christkindverehrung", zu derLeopold Schmidt einen Begleittext schrieb, auf den sich manche der fol-genden Angaben, insbesondere jene über Vorformen der Krippen, Gebild-brote usw. beziehen. Ausstellung in Wien, Weihnachten 1952.

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