in Graz zum Hofe aufgenommen. Doch ist die Aufstellung einer öffent-lichen Kirchenkrippe der Jesuiten in München viel später, erst 1607,gleichzeitig mit jener zu Innsbruck, urkundlich bezeugt. Das abermag Zufall sein. Denn Jesuitenkrippen gibt es viele im 16. Jahr-hundert.
2. Die erste Jesuitenkrippe Österreichs in Graz
Auch an anderen Jesuitenorten gingen Einführung der Weih-nachtsdialoge zur kirchlichen Christnachtfeier und Aufstellung derKirchenkrippe Hand in Hand. Die unseres Wissens früheste Erwäh-nung einer alpenländisch- österreichischen Kirchenkrippe solcher Artkommt jedenfalls aus der Konviktskapelle der Jesuiten-studenten zu Graz. Zum Jahre 1579 vermerkt hier das hand-schriftliche Diarium, daß sogar die erzherzogliche Familie, unter derenpersönlichem Schutze ja die Gegenreformation in den innerösterreichi-schen Landen im allgemeinen und die Niederlassung der Societas Jesuim Besonderen standen, sich die Neuigkeit nicht entgehen ließ und amChristtag die Figurenkrippe der Studenten besuchte 22). Der Besuchwurde zum Anlaß einer Kelchschenkung an die Studentenkapelle.
Gegen Ende des 16. Jahrhunderts hin mehren sich in den Jesuiten-quellen die Nachrichten über aufgestellte Krippen, die später im gan-zen 17. und bis tief ins 18. Jahrhundert hinein in jeder einzelnen Schul-klasse der Ordensgymnasien aufgestellt werden. Sie geben den Mittel-punkt ab für kurze Deklamationen und regelrechte Weihnachtsspieleim engeren Klassenumkreise.
Es scheint sicher, daß neben den Jesuiten auch in deutschen Lan-den die franziskanischen Orden in ihren Klosterkirchen mit VorliebeKrippen zur Schau stellten. Angeblich soll ja die um 1650 restaurierteBrucker Minoritenkrippe schon um 1550 entstanden sein,wie wir noch hören werden. Auch in der Franziskanerkirchezu Schwaz in Tirol läßt sich im 16. Jahrhundert schon eine Weih-nachtskrippe nachweisen 23). Auf solche, wahrscheinlich vor allem fran-ziskanische Vorbilder dürfte sich jenes kulturgeschichtlich bedeutsameBekenntnis des Jesuiten P. Philipp de Berlaymont von 1619beziehen:„ Es ist allgemein bekannt, daß die Jesuiten die frommenSitten ihrer Ordensvorgänger einhalten, indem sie Weihnachtskrippenmit der Darstellung des Stalles zu Bethlehem errichten. Die Futter-krippe mit dem Kind steht zwischen der Jungfrau Glossar ::: zum Glossareintrag Jungfrau und Josef in einemstrohgedeckten Bau, auf dem der Stern befestigt ist. Hirten und Engel
22) Ipsemet princeps una cum conjuge ac liberis invisit praesepe acongregatione in eodem sacello excitatum". Nach dem handschriftlichen Dia-rium des Grazer Jesuitenkollegs. K. Uhlirz, Beiträge zur Erforschung stei-rischer Geschichtsquellen, Bd. XXXVI, N. F. IV, Graz 1908, S. 61. Vgl. dazuden Versuch einer kulturhistorischen Einordnung bei L. Kretzenbacher,Frühbarockes Weihnachtsspiel in Kärnten und Steiermark. Klagenfurter undGrazer Weihnachtsspieltexte des frühen 17. Jahrhunderts als kulturhistorischeDenkmäler der Gegenreformation in Innerösterreich( Archiv für vater-ländische Geschichte und Topographie, Band 40). Klagenfurt 1952.
23) L. Knapp, Krippenkunst in Schwaz( Der Krippenfreund, Festnum-mer 125, Innsbruck 1949, S. 15).
2
17