Beschauers zeigen, ein wahres plastisches Theater zur Unterhaltungund zum Gelächter, aber nicht zur Andacht stimmen. Mögen deßhalbdurch unsere neue würdevolle Krippen- Darstellung unter den Gläu-bigen unserer Gegend bessere Ansichten platzgreifen und so auch derkirchliche Zweck derselben erreicht werden."
Das freilich ist damals gelungen. Was die Aufklärung nicht ver-mocht hatte, die kirchliche Abkehr von der volkstümlichen Krippen-kunst hat es erreicht: auch wenn es hierzulande keine Kirche ohneKrippe gibt, der Krippengedanke im Sinne eigenschöpferischer Ge-staltung aus dem Erlebnis der Heimat ist fast verschwunden. DieSteiermark war um 1900 kein„ Krippenland" mehr.
6. Auf dem Wege zur volkhaften Krippe unserer Zeit
Es ging allerdings in den Nachbarländern, das oberösterreichischeSalzkammergut mit seiner ungebrochen lebendigen Krippenfreude aus-genommen, im allgemeinen nicht viel anders 79). Fast schien es, alshabe man sich fast überall in den Ostalpenländern mit dem alleinigenVorbild der Schablonenkrippe abgefunden, soweit überhaupt noch neueWeihnachtskrippen verfertigt und aufgestellt wurden und dieserBrauch außerhalb der Kirche bestehen blieb.
In der Tat sind es nur ganz vereinzelte Krippenschnitzer, die beiuns zulande die Tradition noch unbeirrt weiter trugen. Unter ihnenbefindet sich allerdings eine solche ,, Persönlichkeit im Volke" wie derBildschnitzer, Mesner und Tausendkünstler Rupert Grieẞl zu Wild-alpen im steirischen Salzatal, der als Mesner an der einst vielbesuch-ten Wallfahrtskirche Maria im Tale am 23. Dezember 1924 als Siebzig-jähriger beim Zwölfeläuten tot zusammenbrach. Es hat lange ge-braucht, bis man in der Öffentlichkeit einiges vom Lebenswerk diesesstillen Schnitzers im abseitigen steirischen Waldgraben erfuhr. Erstseine Glanzleistung, das porträtgetreue ,, Schachspiel des Grafen Wil-czek", das Rupert Grießl um 1898 schnitzte und mit dem er sich sogarim Lichtbild aufnehmen ließ, hat die Spur auf ihn und seine anderenWerke gelenkt. Graf und Gräfin Wilczek sind König und Dame dereinen Schachpartei, ländliche Gestalten des steirischen Salzatales, vondenen noch etliche am Leben sind, bilden die Gegenpartei 80). Freilichwissen wir von seinen anderen Schnitzwerken nur wenig. Auf jedenFall waren einige Weihnachtskrippen und etliches Kinderspielzeug
79) Eine Ausnahme in vieler Hinsicht bietet das oberösterreichische Salz-kammergut zwischen Hallstatt und Gmunden, das heute noch eine sehr leben-dige Krippentradition fortführt. Vgl. O. Kastner, Krippenschnitzer aus demSalzkammergut( Oberösterreichische Heimatblätter, II. Jg., Linz 1948, S. 327 ff.);ders., Heimische Weihnachtskrippen( Kunst der Heimat. Reihe II: Sonder-leistungen der Heimatkunst, H. 1), Linz o. J.
80) Derzeit im Österreichischen Museum für Volkskunde in Wien, In-ventarnummer 40.266. Vgl. dazu L. Schmidt, Schach auf ,, stoasteirisch". Dasoriginelle Schachspiel des Grafen Wilczek( Freude aus Wien, II. Jg., Nr. 3,Wien 1946, S. 30 ff.). Über den Schnitzer vgl. L. Schmidt, Rupert Grießl,der Schnitzer von Wildalpen( Neue Chronik zur Geschichte und Volkskundeder innerösterreichischen Alpenländer. Beilage zu Nr. 279 der Südost- Tages-post, Graz, vom 30. XI. 1952, S. 3). Ferner L. Schmidt, Rupert Grieẞl. Wei-teres über den steirischen Schnitzer von Wildalpen( Neue Chronik, vom12. IV. 1953, S. 4).
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