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Weihnachtskrippen in Steiermark : kleine Kulturgeschichte eines Volkskunstwerkes
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II

DIE HOCHBLÜTE

DER ALPENLÄNDISCHEN KRIPPENKUNST IM BAROCK

1. Ordenskrippen in der Gegenreformation

Die Stunde der Wiedergeburt des Krippengedankens, daß er inSteiermark und überall in Österreich und Süddeutschland, am Rhein,in den Sudetenländern und im deutschen Schlesien lebendig blieb fastbis zur Gegenwart, schlug im Erlebnis der mächtig nordwärts fluten-den Welle des Reform katholizismus, der schon lange vor dementscheidenden Konzil von Trient( 1545-1563) in den romani-schen Ländern Spanien und Italien mächtig angestiegen war. Kraftvollzeigte sich diese Welle neuerwachter katholischer Religiosität ausinnerer Restauration der Kirche auf vielen Gebieten des kulturellenLebens. Bald verströmte sie sich, von straff organisierten kirchlichenVerbänden zielbewußt gelenkt, über fast ganz Europa tausendfältigzur barocken Form der religiösen Volkskultur, die in so vielen Einzel-zügen das Antlitz zumal der österreichischen Länder prägte.

Die reinigenden Bestimmungen des Trienter Konzils schlossenjene Formen der Volksreligiosität nicht aus, die seit Jahrhunderten inden romanischen Ländern und in Westeuropa ihre Heimstatt hattenund die dem religiösen Sinn des Volkes bildhaften Ausdruck verliehen.Sie hatten sich von einzelnen allzu puritanischen Schwärmern auchdort nicht unterdrücken lassen. Im Gegenteil! Manches schien ja geradejetzt geeignet, Glanz und Herrlichkeit der Kirche trotz aller innerenKrisen immer wieder von Fest zu Fest nach außen zu bezeugen. Demdienten die Mysterienspiele, die Stimmungspredigten bei manchenauferliturgischen Andachten und die theatralischen Spielprozessio-nen 17). Auch das nichtlebendige geistliche Theater, die Passions- undWeihnachtskrippen gehören hiezu und nicht zuletzt die beweglichenunter ihnen, soweit nicht die reine Lust am Spielen mit ihnen denreligiösen Sinn vollends überwucherte. Das war wohl bei den geist-lichen Marionettentheatern in den Kirchen des Westensder Fall 18). Doch auch sie wurden nur in schickliche Grenzen verwie-sen, nicht aber gänzlich verboten.

17) Vgl. L. Kretzenbacher, Barocke Spielprozessionen in Steiermark.Zur Kulturgeschichte der theatralischen Festfeiern in der Gegenreformation( Aus Archiv und Chronik. Blätter für Seckauer Diözesangeschichte, Bd. II,Graz 1949, S. 13 ff., 43 ff., 83 ff.).

18) Vgl. Ch. Magnin, Histoire des marionettes. 2. Aufl. Paris 1862.Cyrill W. Beaumont, Puppets and the Puppet stage. London 1938.H. S. Rehm, Das Buch der Marionetten. Berlin 1905.

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