lichen Umgrunde bei, ohne von historischen Stilbedenken sonderlichgequält zu werden.
3. Formen, Werkstoffe und Volksbrauch an der Krippe
Da legen die Kinder fein säuberlich ausgesuchtes Moos als wär-mende Polster zur Winterszeit zwischen die Stubenfenster. Im Herbstschon stellen sie aus Roßkastanien geschnittene Schwammerl mit brau-ner Pilzlingkappe drein und zum Heiligen Abend dann die Figürchen,die der große Bruder roh mit dem Taschenfeitel geschnitzt hatte;Maria, Joseph und das Kind, ein paar Schäflein dazu und später wohlauch noch die Könige. Ein Rindenhäuschen dient als Stall von Betle-hem. So dürfen die Kinder durch die Weihnachtszeit sich an der Fen-sterkrippe freuen, die in der warmen Wohnstube drinnen unddie draußen vorüber gehen. Wenn's aber hoch kommt, dann bringt derVater einmal vom Kaufmann einen Krippenausschneidebogen heimund an die Stelle der derben Schnitzfiguren treten die farbi-gen Ausschneidebilder aus billigem Papier oder gar aus buntglänzender Preẞpappe.
Holzgeschnitzte Krippenmander oder auch Ton-figürchen anspruchslosester Art, aus Lehm gebrannt und dannbemalt, wie sie der Krämer im Laden als Massenware führt, werdenzu Weihnachten auch auf der kleinen Querbank in der Tischeckeunterm Kreuzbild aufgestellt. Wo sonst Engel knieen oder Hinterglas-bilder in bäuerlich starrer Ausdruckskunst die heiligen Helfer undSchirmer des Bauernhofes weisen, da steht jetzt der Krippenstall miteinigen wenigen Figuren dabei. Grüne Zweige sind rundum ausgelegtund aufgesteckt und Kerzen brennen davor zur abendlichen Stunde.Manchmal blitzen vergoldete Nüsse aus dem dunkelgrünen Gezweig.,, Hausaltarl- Aufputzen" nennen's die Bauern im Zirbitz-gebiet oder in den Wölzer Tauern, wo es heute noch Dörfergibt, in denen kein Haus ohne Krippe bleibt, auch wenn sie noch sobescheiden wäre 59). Davor aber wird am Heiligen Abend vor demMettengang und an den darauf folgenden Tagen noch gebetet undgesungen. ,, Kripperl- Ansingen" heißt man das und ehedemwar es in jedem Hause Brauch 60). An diesen Abenden durfte im alt-steirischen Bauernhause der Kienspanleuchter beiseite stehen. Da war-fen nur die festlichen Wachskerzen ihren milden Schein über die inder Stube versammelten Beter.
Wenn es nun gar auch noch ein„, Hirteng's piel" gibt, wie esin Steirisch- Laßnitz bei Murau noch jetzt etwa alle drei Jahre derBrauch ist, daß man zwischen Abendläuten und Mettengang das stun-denlange Volksschauspiel beim Steinbrugger in der oberen Stube auf-führt, so war es früher einmal Sitte, daß sich auch die Zuschauer denHirten und den Königen beim Opfergang anschlossen und auch ihrer-sets dem Kinde ihre Gaben, Wolle, Wachs, Eier, Brot und Wurst hin-legten ¹). Für die Armen in der Gemeinde sollte es sein. Drum will
59) Atlas der Deutschen Volkskunde, Frage 118. Handschriftliche Ant-worten( 1932 ff.) im Steirischen Volkskundemuseum, Graz, aus St. Wolfgangam Zirbitzkogel, Möderbrugg, Tragöß.
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60) Ebenda, aus Wildalpen.
61) Pramberger, Handschriftband XVI, S. 65.