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Weihnachtskrippen in Steiermark : kleine Kulturgeschichte eines Volkskunstwerkes
Entstehung
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VON DER BETLEHEMGROTTE ZU DEN GOTISCHEN

FLÜGELALTAREN

SICHER gibt es keine Kirche im Lande, und wäre sie noch so ent-

legen in einem Waldgraben und arm wie die Bergbauern, die allsonn-täglich zu ihr niedersteigen, daß nicht frohe Hände zum HeiligenAbend ein Kripperl" in ihr aufrichteten. Es bleibt zumindest bisDreikönig, fast immer aber bis zum Lichtmeẞtage und weist das Heil-tum der hohen Weihnacht in prunkvollen Figuren erhabener Kunst,in grobschlächtiger Einfalt eines ländlichen Schnitzers oder in süßlich-glatter Massenware fabriksmäßiger Herkunft, immer aber in gläu-biger Gesinnung für eine lebendige Schau.

Doch Weihnachten ist seit vielen Menschenaltern ein Familienfestgeworden und längst nicht mehr nur kirchliche Feier wie einst. Aberin den Familien der Steiermark ist der Krippengedanke heute nichtsehr lebendig; zumindest ist er es nicht mehr. Doch könnte er wiederlebendig werden und nicht nur tausend Kinderaugen würden nochheller und beglückter strahlen angesichts des kleinen Wundertheatersunterm lichterglänzenden Baume. Auch in die Herzen ungezählter Er-wachsener würde die Weihnachtsfreude noch tiefer eindringen. Denndie Voraussetzungen sind dafür gegeben, daß auch die Steiermark wie-der ein ,, Krippenland" würde, so wie es Tirol und das Salzkammergutnoch sind, wie es die Rheinlande wieder wurden und wie es die inner-österreichischen Alpenländer und die Donaugaue einmal waren, alsHirtenspiel, Krippenberg und Weihnachtslied den Inbegriff der Weih-nachtsseligkeit erfüllten, die nun der lichterbesteckte Gabenbaum alsjüngster hell und Millionen Menschen verbindend überstrahlt.

Was ist es doch für ein Gewurle und Geschiebe, wenn die Bubenund die Dirnlein, den kalten Winterhauch vor den offenen Mündern,sich mit roten Wangen und leuchtenden Augen vor der Kirchenkrippedrängen! Ist es doch auch zauberhaft, was es da alles zu sehen gibt:die Hirten, die in Säcken und in Körbchen ihre Gaben bringen; dieSchafe, die sie munter umspringen; die drei Könige, die auf Kamel,Roß und Elefant in Prachtgewändern mit blitzenden Kronen einherreiten, gefolgt von tief gebückten Dienern, die Geschenke erlesensterArt in Lasten schleppen. Der Mohrenkönig Glossar ::: zum Glossareintrag  Mohrenkönig vor allem erregt ehrfürch-tigstes Staunen und läßt einen Hauch fremdartiger Welt herüberwehenin die winterklare Berglandheimat, über der der Silberengel mit demGloria- Band neben dem goldenen Schweifstern schwebt und auf dielichte Stallgrotte deutet, in der der greise Josef sich gütig zur kniendenMutter über das winzige Kindlein neigt, dem Ochs und Esel wärmendihren Atem zuhauchen. Rundum auf dem Berg und in der zinnen-

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