Anders sind die Krippen auf Sizilien. Beinahe winzig mutenihre Figürchen an. Auch sind sie nicht aus Draht und Ton geformt,sondern aus Lindenholz geschnitzt, selten ganz bemalt, lieber„ ka-schiert", also mit leimgetränkten Stoffen beklebt. Auch hier ist es daseigene Volksleben, das sich künstlerisch im Reigen um den Stall vonBetlehem schwingt. In Giovanni Matera hat die sizilianische Krippen-kunst ihren vielbewunderten Meister gefunden.
Weithin war der Ruhm der Krippen Roms, Neapels und Siziliensgedrungen; bis nach Spanien und Portugal, wo sich eigene, nationaleSondertypen ausformten, wenn auch erst wie bei uns im späteren 17.und 18. Jahrhundert.
4. ,, Gehende" Kripperl im steirischen Barock
Die Edelschmiede blieben hinter den Plastikern, den Holz- undBeinschnitzern, den Wachsbossierern, Scherenschnittkünstlern undAquarellisten, die sich um die schönsten Krippen mühten, nicht zurück.Bei ihnen wirkte besonders die Bastelfreude der Renaissance nach.Schuf doch schon 1585 der Augsburger Goldschmied Hans Schlottheimein mechanisches Krippenwerk, zu einem Stufenaufbau, der an dieSimultanbühne des Mittelalters erinnert und leise an manchen Krip-penberg der Alpenländer, Bayerns, der Sudetenlande und Sachsensgemahnt 30).
Doch diese Erfinderfreude des beginnenden ,, mechanischen" Zeit-alters blieb nicht auf die Goldschmiedezunft beschränkt. Gar mancher,, Freikünstler" wandte ehedem und heute noch seine Liebe, seine Zeitund sein Geschick darauf, auch selber sich und den großen und kleinenKindern zur Freude ein ,, gehendes Kripperl“ zu bauen. Wie schön, wenndiese kleinen Puppen von Stäben und Fäden geheimnisvoll bewegt,gar gehen und reiten, sich neigen und tanzen konnten! Und wenn mannun gar im Verborgenen dazu die Worte spricht und singt, die sonstdie Schulbuben und die Großen im Weihnachtsspiel in der Kirche rezi-tieren, da ist der holde Schein gelungen, dann ist das Krippenspiel alsTheater für sich geboren!
Es fällt auf, daß bei den Berichten über weihnachtlichesPuppenspiel auf mechanischen Krippen die Alpenlän-der Österreichs, zumal die Steiermark wie wir sehen werden, denDonauländern zeitlich voran gehen. Bald darauf aber werden geradeWien, Ober- und Niederösterreich zu Pflegestätten und liebevollenBewahrern des weihnachtlichen Krippenspiels mit beweglichen Figu-ren, mit Verstexten und Liedeinlagen 31). Viel länger behielten sie esbei. Eines der allerschönsten unter ihnen, das„ ,, Steyrer Krip-per l", zieht heute noch oder wieder die Kinder der alten Eisenstadt
30) R. Berliner, a. a. O., Tafel X/ 2.
31) Vgl. L. Schmidt, Die Weihnachtsspiele Niederösterreichs( Zeit-schrift des Vereins für Volkskunde, N. F. Bd. VII, Berlin 1937, S. 269 ff.,bes. S. 300 ff.); E. K. Blümml und G. Gugitz, Alt- Wiener Krippenspiele( Kultur und Heimat I), Wien 1925; R. Zoder, Das Traismaurer Krippen-spiel. Ein deutsches Weihnachtsspiel aus dem Beginne des 19. Jahrhunderts.Wien 1920; Der s., Das St. Pöltner Krippenspiel( Unsere Heimat, N. F. Bd. LI,Wien 1929, S. 1 ff.); L. Schmidt, Untersuchungen zum St. Pöltner Krippen-spiel( Unsere Heimat, N. F. Bd. VI, Wien 1933, S. 319 ff., VII, 1934, S. 343 ff.)
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