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Weihnachtskrippen in Steiermark : kleine Kulturgeschichte eines Volkskunstwerkes
Entstehung
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III

AUFKLÄRERVERBOT,

ROMANTISCHE WIEDERGEBURT UND STILKRIPPEN

1. Von der Kirchenkrippe zur Heimkrippe.

Fast alle bisher genannten steirischen Krippen sind Leistungender Hochkunst. Jene von J. Th. Stammel erklomm den Gipfel individu-eller Schöpferkraft und jene zu St. Lambrecht wies die Grenzen volks-tümlich breiter Krippenkunst von Meistern im Schnitzen, Faẞmalenund Minaturschneidern. Aber sie sind nicht die einzigen wertvollenDenkmäler der Krippenkunst in Steiermark. Manche dieser steirischenKrippen ist weit gewandert wie jene, die der Wiener Bildhauer IgnazDorfmeister 1772 für Cilli in Untersteier schuf, ehe sie unterdie herrlichen Stücke der Krippensammlung am Bayrischen National-museum aufgenommen wurden 54).

Längst hatten die Kirchenkrippen auch hierzulande ihre vielfälti-gen Abbilder in ungezählten Heimkrippen gefunden. Die Bür-gersleute waren vorangegangen. Während des ganzen 17. und frühen18. Jahrhunderts finden sich allein in ihren Nachlässen die Krippenerwähnt. Nun aber wollten auch die Bauersleute ihre Krippen haben,vor denen sie singen und beten konnten, wenn sie nach stundenweitemMettengang über tiefverschneite Waldberge und Gräben wieder heim-kamen in die Einschicht und sich für den Rest der Nacht nicht in ihreBetten, sondern ,, dem Christkind in der Krippe zu Ehren" auf losesStroh, das in der Stubenmitte für alle aufgestreut wurde, schlafenlegten, wie es annoch in den Gräben der Wölzer Tauern der Brauch ist.

Wohl bleibt der Mittelpunkt der kirchlichen Feier noch lange.Doch auch zu sich ins Heim ladet man das Christkind, und zwar gleichmit dem ganzen Bibelvolk und seinen Freunden aus der eigenen Hei-mat. Man schmückt die Krippe mit Grünzweigen und betet davor. DieKrippe wird zum Mittelpunkt der häuslichen Weihnachtsfeier. Siewird es um so mehr, als nun auch in den Alpenländern die norddeut-schen Bescherungsbräuche Eingang finden, die hier noch unbekanntwaren, weil nur St. Nikolaus als Gabenbringer kam und nicht dasChristkind. Jetzt aber verbanden sich vor allem im Bürgerhause Gebe-freude und Kinderglück bei der Krippe, da doch der Christbaum nochauf Generationen hinaus unbekannt blieb, ja, im steirischen Bauern-haus überhaupt erst im 20. Jahrhundert Heimatrecht erhielt.

Auch die weihnachtlichen Formen des geistlichen Volksschauspielshatten sich vor dem nüchternen Zeitgeist mehr und mehr in die Ein-schicht, in die Stuben der Bauernhäuser flüchten müssen. Heimlicher54) Hager, a. a. O., S. 92 f.

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