gekrönten Stadt herrscht fröhliches Leben. Denn„ es blühen die Maienin kalter Winterszeit" auf allen Steigen, auf denen die Jäger undBauern, die Halter und die Soldaten niedersteigen. Emsig klopft undsägt, schustert und schneidert ein ganzes Handwerkerviertel zu Bet-iehem, als wär's ein fröhliches Neubeginnen!
Weihnacht der Heimat! Vielfältig und bunt spiegelt sie sich wider,so wie sich die Menschen unserer Lande das Geschehen im fernenPalästina von einst ausdachten und stets von neuem ausdenken; wiees kunstgeübte Hände in formschöner Schöpfung und guter Wille ineinfältiger Gestalt sich selbst und anderen zur Freude hinstellen, daßder schöne Augenblick verweilen möge und sich das Herz daran oftund oft in dieser Zeit erhöbe!
1. Frühe Krippenverehrung im Heiligen Lande und zu Rom
Der Ursprung des Krippenbrauches verliert sich im Dunkel derZeiten. Sicher war man von Anfang an auf das gläubige Gemüt be-dacht, das sich menschlich- demütig auf seine Art dem Heiligen nähert,es liebevoll umfaßt und begreift. Die Krippe, wie wir sie heute ken-nen, erzählt das Allerlieblichste im heiligen Geschehen immer wiederfür sich und predigt es stumm- beredt allen denen in kindlicher Treu-herzigkeit, deren Ohr auch beim bloßen Schauen zu hören verstehtund deren Herz das Weihnachtswunder aufzunehmen bereit ist, ohnedem nüchtern messenden und überheblich lächelnden Verstand über-haupt Zutritt zu gewähren.
Denn alle sind wir zuerst Augenmenschen. Was dem Auge gefällt,das findet leichter zum Herzen als vieles andere. Davon wußten schonjene Seelsorger, die nach dem Berichte des Origenes(+254) die Gläu-bigen in der Geburtshöhle zu Betlehem vor einem Krip-pentrog im Gedenken an das Wunder der Christnacht hatten kieenlassen; an jenem Orte, über dem Kaiser Konstantin eine Basilikaerbaute, zu der im 4. Jahrhundert schon Wallfahrer zogen.
Zu Rom lief? Papst Liberius, der ums Jahr 354 das Fest derChristgeburt vom 6. Jänner auf den 25. Dezember vorverlegt hatte,auf den„ Tag der unbesiegbaren Sonne" wie ihn die orientalischen Glossar ::: zum Glossareintrag orientalischenMysterienreligionen in Spätrom noch feierten, für dieses neu aufblü-hende Fest eine eigene Kirche bauen. Seit dem 7. Jahrhundert hießsie ,, Maria bei der Krippe"( Maria ad praesepe). Erst seit dem9. Jahrhundert trägt sie den heutigen Namen„ Santa Maria Mag-giore"( Maria Maior) oder„, Maria im Schnee" nach jener Le-gende, daß der viereckige Bauplatz allein von Schnee freigebliebenwar, als es rundum dicht schneite und Maria sich selbst durch diesesWunder den Platz für ihre Krippenkirche auswählte. Noch heute zeigtman dort die fünf in Silber und Kristall gefaßten schmalen Brettchen,die einst Jesu Notwiege gewesen sein sollen. Doch das ist freilich späteTäuschung in frommer Absicht und nicht jeder sieht lächelnd drüberhinweg.
2. Mittwinterbrauch, Klerikerspiel, Franziskusfeier und SchreinaltarTief ist das alte kirchliche Weihnachtsfest in den alten mythischenSinnkreis des Jahrlauferlebens gebettet. In des Jahres stillster Stunde,