mund im Pustertale), von Schnitzern, die vielleicht weit ge-wandert waren und an der Welschlandstraße schufen.
Denn zu Ausgang des 15. Jahrhunderts war die Krippen-kunst in Italien hoch aufgeblüht. Schon 1478 schloß ein Klosterin Neapel mit zwei Künstlern einen Vertrag auf eine vielfigurigeKrippe). Bald darauf, im Jahre 1491, nannte die Herzogin Kuni-gunde von Bayern schon eine Krippe mit bemalten Figuren ihreigen. Vielleicht war sie aus Italien gekommen oder hatte sie ein hei-mischer Künstler geschaffen, der den neuen Weg in der Weihnachts-kunst des Südens erlebt hatte. Denn eben hob zu Venedig und Neapel,zu Rom und auf Sizilien ein Blühen dieser holden Kunst an, die nichtnur ein paar Hirten und drei Könige zu Zeugen der Christgeburt rief,sondern schier ungezähltes Volk und Getier daran teilnehmen lassenwollte.
5. Kindelwiegen und Schlummerlied
In Deutschland aber blieb man noch beim Heiltumsschrein, derseine Wunder immer wieder von neuem aufschlagen ließ. Man bliebbei dem der Liturgie entsprungenen und mit volkstümlichen Szenenmehr und mehr aufgefüllten Spiel in der Kirche, wo sich dem Zug derKönige auch schon die Hirten anbetend und opfernd gesellen durftenund dem Vorsänger der jubilus- Gesang des Volkes antwortete. Manblieb aber auch bei der althergebrachten Sitte des„ Kindelwie.gens", beim„ Susaninne", mit dem die Muttersehnsucht derNonnen in den mittelalterlichen Frauenklöstern ein hölzernes oderspäter ein wächsernes Büblein in einer Wiege in den Schlaf sang undhätschelte wie ein lebendiges Menschenkind. So sollen es die geist-lichen Frauen auf dem Nonnberg zu Salzburg schon im 10.Jahrhundert gehalten haben, daß sie zur weihnachtlichen indor-minatio infantis ein Schlummerlied sangen.
Das wollte man durch Jahrhunderte nicht missen. Am Stefanstagdes Jahres 1344 hat die berühmte Visionärin Margarethe Ebneraus dem Dominikanerinnenkloster Maria- Medingen bei Dillin-gen an der Donau eine solche Christkindwiege aus Wien geschenkterhalten). Erwin Guido Kolbenheyer schuf aus dieser Nachricht diegroßartige und erschütternde Schlußszene in seinem Roman der deut-schen Mystik„ Das gottgelobte Herz", als sich die zum Minneleidenentbrannte Sehnsucht nach Brauttum und Mutterschaft an diesemWiegengeschenk mystisch erfüllte. Noch heute bewahrt das Klosterjene Wiege. Eine andere blieb auch von den Dominikanerinnen zuMichelstetten( Velesovo) in Krain aus dem Anfang des 14. Jahrhun-derts erhalten 10).
Es ist die Zeit, da sich das Fest der Christgeburt in den Frauen-klöstern zu reichster Brauchtumsfülle Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtumsfülle entfaltete; da alle mütterlichen
7) A. Dörrer, Die ersten Weihnachtskrippen( Tiroler Nachrichten vom24. XII. 1949).
8) G. Hager, Die Weihnachtskrippe. München 1902. S. 23.
9) A. Spamer, Weihnachten in alter und neuer Zeit. Jena 1937. S. 50.10) Die Wiege befindet sich heute im Nationalmuseum zu Laibach. Überdie Kulturgeschichte und die Gegenwartsformen der Weihnachtskrippe inSlowenien( Krain) vgl. N. Kuret, Delajmo jaslice. Laibach 1941.
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