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Weihnachtskrippen in Steiermark : kleine Kulturgeschichte eines Volkskunstwerkes
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wird das Spiel und heimlich trauter die Andacht im eigenen Hause,im Kreise von Familie und Gesinde.

Rückschläge aber blieben nicht aus. Überall in Europa hatte sichdas Barock übersteigert. Besonders im Verniedlichen religiöser Stoffeauf dem Theater des Volkes und in den Spielprozessionen war es oftviel zu weit gegangen. So schlugen die behördlichen Verbote mitten inden Überschwang und trafen da und dort, zumal wenn es gegen un-ziemliche Kleidung im religiösen Spiel, gegen ex- tempore- Texte undallzu menschliches Gehaben mit dem Sakralen ging, nicht unverdient.Aber auch die Gegenbewegung der theresianisch- josephinischen Auf-klärung ging entschieden zu weit und zerschlug manches völlig, wassie nur eindämmen hätte sollen. Vieles aber miẞlang auch ihr, wirsagen heute: zum Glück! Denn das Volksschauspiel lebt noch heute inSteiermark 55) und auch der Krippenbrauch wurde nicht völlig um-gebracht.

An höchster Stelle war in der Kabinettskanzlei mancher Übel-stand und Mißbrauch bei Krippen und heiligen Gräbern zurSprache gekommen 56). Das hatte im Jahre 1782 ein Verbot desKaisers Josef II. gegen das Krippenaufstellen inden Kirchen hervorgerufen. Doch wie so viele Verordnungen da-mals und heute, wurde auch diese einfach umgangen oder nicht be-folgt. Das Volk in Österreich ließ sich seine Krippenfreude damals sowenig nehmen, als es heute gelänge, etwa den Christbaum behördlichzu verbieten. So mußte man schon 1804 57) das Verbot kleinlaut zurück-nehmen. Manche alte Krippe kam damit wieder zum Vorschein.Manche neue wurde nach altem Vorbild und frischen Einfällen gebaut.

So ging nun wieder allenthalben ein Basteln und Schnitzen, einMalen und Nähen, ein Aufstellen und Beleuchten an. Alle Formen derKirchenkrippen, der Bühnengestalten des dramatischen geistlichenSpieles und der bildenden Hochkunst spiegeln sich in den Volks-krippen des 18. und 19. Jahrhunderts wider, und alle bis dahin ge-bräuchlichen Werkstoffe wurden dafür verwendet.

2. Erzherzog Johann erhält einen Krippenbericht.

Verständnis für die Krippen hatten die Behörden, die geistlichenwie die weltlichen, trotz der Zurücknahme des Aufstellverbotes nochsehr lange keines. Aber gerade aus dieser Zeit hat sich ein literari-sches Krippendenkmal der Steiermark erhalten, das so recht dieungebrochene Freude des Volkes an der heimatlichen Idyllenkrippein breiter Schilderung erkennen läßt, in dem sich aber dennoch das

55) Die zuletzt aufgeführten Paradeis- und Hirtenspiele in Steiermarkwaren bisher jene zu Steirisch Laßnitz zu Weihnachten( Heiliger Abend) 1951,am darauffolgenden Stefanitag und zu Dreikönig 1952.

56) Kabinettsprotokolle der Kabinettskanzlei im Wiener Staatsarchiv,XXIV. Band, 1782, S. 1211( Nach E. Friess, Einiges über Weihnachtskrippenim südwestlichen Niederösterreich. Unsere Heimat, N. F., Bd. V, Wien 1932,S. 14).

57) R. Reichel, Mitteilungen aus einem Gerichtsprotokoll des MarktesDeutsch- Feistritz( Mitteilungen des Historischen Vereins für Steiermark,XXXVIII. Bd., Graz 1890, S. 208).

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