Allzu zahlreich sind die Frühbelege nicht, wenn wir allein bei denweihnachtlichen Krippentheatern bleiben und die im 18. Jahrhundertsehr geläufigen österlichen Puppenspiele, die ,, Fallandachten", beidenen Christus auf dem Kreuzwege unter anteilnehmender Andachtder gläubigen Zuschauer im Puppenspiel mechanisch gezogen ,, fallen"muß, beiseite lassen und auch vereinzelte mechanische Rorate- undVerkündigungsszenen übergehen.
Das Antoniuskirchlein beim alten Grazer Kapuzinerkloster vordem Paulustor aber behielt ein mechanisches Kripperl noch mindestensanderthalb Jahrhunderte, also lange über die Klosteraufhebung von1787 hinaus. Denn noch um 1885 weiß Johann Hofrichter in seinenStadterinnerungen zu erzählen: ,, Noch vor einigen sechzig Jahren"( daswar also etwa um 1825, noch bedeutend nach der besonders krippen-feindlichen Aufklärungswelle) ,, war bei dem dortigen Mesner einschönes Krippelspiel mit beweglichen Figuren zu sehen 3)." Heute aberbirgt das Steirische Volkskundemuseum dort wieder eine große mecha-nische Krippe mit einem Orgelwerk, das zwölf verschiedene Weih-nachtslieder zu spielen vermag. Die Krippe stammt aus dem Franzis-kanerkloster zu Graz und ist jüngeren Ursprungs aus dem späten19. Jahrhundert. Ein Liebhaberbastler namens Vouk, Laborant amKunstgewerbemuseum des Joanneums war der Künstler. Nun ist siesorgsam in eine Nische gebaut, läßt ihre Hirten und Bauern lustigwandern, den Stern sich bewegen und den Gloriaengel über der bun-ten Berglandschaft hin und her schweben, indes die Orgel den kleinenund den großen Kindern zuliebe fröhlich dazu spielt.
5. Anfänge der Volkskrippen in Steiermark.
Die allermeisten Krippen sind freilich nicht mechanische und sol-che, zu denen ein oder mehrere Puppenführer die Verse sprachen undsangen. Zumal heute herrscht die Stehkrippe ganz allein, gleichviel,ob sie als heimatliche Idyllenkrippe erbaut ist oder im Stil der histo-risch- geographisch„, echten", der orientalischen Glossar ::: zum Glossareintrag orientalischen oder Palästina- Krippen.Werkstoffe, Figurenzahl und Ausdehnung der Krippen seit dem17. Jahrhundert sind ganz verschieden nach Entstehungszeit und Mode,nach ihrer Aufstellung in vermögenden Klöstern und Stiftsgotteshäu-sern, in einer ärmlichen Dorfkirche, in Bürgerhaus oder Bauernstube.Gemessen an der Figurenfülle und Erscheinung ihrer Ausstattung sinddie heutigen Krippen meist arm zu nennen. Es sind nur noch Reste.Denn mitten in die Blütezeit steirischer Krippenfreude, in das farben-frohe und theaterlustige 18. Jahrhundert fiel der sengende Reif derFrühaufklärung zu Beginn der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts,das in seiner allzu unbedachten Strenge den jähen Untergang so vie-ler Barockelemente mit sich gebracht hatte.
Diese Blütezeit steirischer Krippenfreude in weitesten Kreisen hatin der Mitte des 17. Jahrhunderts begonnen und über ein volles Jahr-hundert gedauert. Da mehren sich in den Nachlaßinventaren, aller-dings zunächst nur in denen bürgerlicher Familien, die Notizen überTafeln mit weihnachtlichen Bildern, über jene Christkindfiguren aus
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37) J. Hofrichter, Graz vor sechzig Jahren. Graz 1885. S. 95, Anm. 1.