Das in der Mitte der Traufseite angegebene Gesimse von Kon-solchen ist nur in die glatte Wand vertieft eingemeisselt.
Die Fenster sind meistens paarweise nach der Tyroler Bauart miteinem schmalen zuweilen profilirten Mittelpfosten zwischen breitenPfeilern angebracht und mit Klappläden versehen, welche sich bei
1,0
9 Decimeter.
Fig. 43.
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schmalen Fensterpfeilern doppelt auf einander legen. Ihre äussereBekleidung besteht oft aus bemalten zierlich profilirten Brettern undeinem bekrönenden Gesimse wie in Fig. 43 bei einem Hause vonLuzein aus dem Jahr 1784.
Das Dachwerk mit seiner Eindeckung steht am Giebel 1,2 m vorund die Fetten von 21 auf 30 cm Stärke treten wie das äussersteGespärre 1,05 m vor die Wand.
Jeder Sparrren ist dreimal gestützt, durch die auf der Blokwandruhende Fussfette, durch die oberste nahe an der Firstlinie und durchdie genau zwischen beide fallende Mittelfette. Ausnahmsweise kommtauch eine Firstfette wie in Fig. 41 vor. Der Einfluss des nahenTyrols zeigt sich auch bei den Fetten, welche wie dort meistentheilsdurch einen untergelegten Träger von gleicher Stärke oder von ge-wöhnlicher Wandstärke unterstützt sind. Derselbe ist im Innern desDachraumes, um so weit als er aussen vorsteht, stumpf abgeschnitten.Fig. E Tafel 12 zeigt die oft wiederkehrende Profilirung solcherDoppelträger nebst deren Bemalung an den Stirnseiten mit schwarz,roth und weiss. Am Fusse des Daches haben diese Doppelträger dasgleiche Maass der Verstärkung, stets aber nur einseitig, nach derInnenseite des Hauses, um die senkrechte Flucht der Traufseiteneinzuhalten.
Tafel 13, 14, 15.
Die Blockbauten im Kanton Wallis, davon wir in den hier folgen-den Tafeln einige ausgewählte Beispiele geben, verdienen unsereBeachtung durch ihre von denen der übrigen Schweiz in konstructiverwie auch in decorativer Hinsicht abweichenden und bemerkenswerthenEigenthümlichkeiten.
Wenn man von Andermatt her über den Furkapass nach demRhonegletscher und weiter abwärts, dem oberen Rhonethal entlang indas Walliser Land herabsteigt, so findet man in den dort gelegenenOrtschaften gleich den charakteristischen Blockbau, welchen auch dieDörfer der Seitenthäler mit jenen des Haupt- und Rhonethales ge-meinsam haben. Wir fassen hier besonders das Lötschenthal und dasThal von Heremence ins Auge, weil der Stil des benachbarten BernerOberlandes unzweifelhaft veredelnd in den sehr hoch gelegenen Ort-schaften dieser Seitenthäler eingewirkt hat.
Die unterscheidenden Merkmale dieser Walliser Blockbauten be-stehen hauptsächlich:
1. in der erweiterten Anwendung und Verbindung des Steinbauesmit dem Blockbau,
2. in der Vertauschung der einfach quadratischen Grundform desHauses mit dem doppelten Quadrat. Es sind nämlich die amFrontgiebel liegenden Wohnzimmer mit Blokwänden umgebenund bilden den vorderen meist quadratischen Theil. An diesenschliesst sich der hintere fast ebenso quadratische aber vonBruchsteinen gemauerte Theil, welcher die Hausflur mit derseitlichen Hausthüre, die Treppe und die Küche nebst Vorraths-kammer enthält und bis unter das beiden Theilen gemeinsameDach reicht,
3. in der Anlage von mehreren bewohnbaren Geschossen überein-ander, indem sich zuweilen erst auf zwei gemauerten Stockwerkendas Blockhaus von zwei bis vier Etagen erhebt,
4. in der Verstärkung der Zwischenböden, indem die sonst üblicheeinfache Dielenlage hier durch eine doppelte, unter sich getrennteund dazwischen mit Waldmoos ausgefüllte, ersetzt ist; die Ver-anlassung dazu lag in der durch die Oertlichkeit bedingten Be-
nutzung jeder Etage für eine andere Familie, wogegen in derübrigen Schweiz die obere Etage nur zu Schlafzimmern undGeräthekammern verwendet wird,
5. in der Verstärkung der Blockbalken, der Dicke der Wände nachvon 15 bis zu 21 cm, sowie auch der Höhe der Balken nach,wobei dem Wuchs der Stämme gemäss, an den Hirnseiten derVorstösse, die Zopfenden von circa 16 cm Höhe mit den Wurzel-enden von 30-40 cm Höhe wechseln,
6. in der Anwendung von schieferartigen Steinplatten oft in Ver-bindung mit Schindelbrettern zur Dachdeckung,
7. in den 27-30 cm breiten Zwischenpfosten der gekuppeltenFenster, während deren äusserste Pfosten nur halbe oder geringereBreite haben, solches aber in der übrigen Schweiz grade in um-gekehrter Weise stattfindet,
8. in der Disposition der Fensterladen, da an vielen Häusern nurdie äussersten beiden der gekuppelten Fenster mit seitwärtsaufgehenden Klappläden versehen, die übrigen dagegen mitsolchen nach abwärts, um zwei auf der Bank befestigte Charnieredrehbar sind,
9. in der dunklen fast schwarzen Farbe, welche das Lärchenholzdieser Bauten mit der Zeit annimmt und den Ortschaften eindüsteres Ansehen verleiht. Zur richtigen Würdigung derselbenmuss man sich desshalb den ehemaligen Zustand vergegenwärtigen,wonach das Holz grossentheils noch bemalt war.
Die grossen Lärchenwälder, welche man im oberen Wallis vor-zugsweise an den südlichen Abhängen der Berge, an den nördlichendagegen durch Tannenwälder ersetzt findet, wurden wegen den drohendenLavinen, die periodisch an denselben Stellen der Thalsohle eintreffenund die Wiesen mit Steingerölle überlagern, immer gut unterhaltenund erleichterten die Anwendung von starkem Bauholze. Jene Lavinengaben auch Veranlassung zu den in engen Gassen nur wenig voneinander getrennten Wohnungen, Stallungen und Speicherbauten, wieauch zur Anlage mehrerer Stockwerke übereinander.