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2 (1886) Der schweizer Holzstyl : in seinen cantonalen und constructiven Verschiedenheiten vergleichend dargestellt mit Holzbauten Deutschlands. 2(1886).
Entstehung
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Tafel 5, 6, 7.

Auf diesen drei Tafeln ist die frühere Bauart im Jaunthale,

Kanton Freiburg, dargestellt, deren Charakter wir vorerst im All-gemeinen beleuchten wollen, bevor wir zur Erklärung der einzelnenTafeln übergehen.

Im Jaunthale begegnen sich vom Ursprung der Jaun im BernerOberland thalabwärts und aus dem Freiburgischen thalaufwärts, eben-sowohl die deutsche und französische Sprache, wie auch die beidenältesten Konstruktionen des Schweizerhauses: der Block- und Ständer-Bau, indem sie zugleich neues Beachtenswerthes im Holzstil hervorrufen.

Gleichzeitig, in der Mitte des 18. Jahrhunderts, finden wir dortden nach Etagen getrennten oberländischen Block- und Ständer- Baudes benachbarten Simmenthales, dessen ältester Charakter hier und daim Jaunthale noch festgehalten wurde, so wie den im übrigen Frei-burger Lande durchweg herrschenden Ständerbau, theilweise verbundenmit dem Schmuck des oberländischen Hauses, nebst einer neuen demJaunthale eigenthümlichen Dekorationsweise.

Diese gleichzeitig dort vorkommenden älteren und neueren Musternentsprechenden Holzbauten ordnen sich etwa wie folgt:

1) Der Ständerbau in der unteren, der Blockbau in der oberenEtage, stets vereinigt mit dem flachen Dach und dem stehendenStuhl.

2) Der Ständerbau in beiden Etagen, ebenso vereinigt mit demflachen Dach und dem stehenden Stuhl.

3) Derselbe Ständerbau durch beide Etagen, mit dem steilerenRechtwinkeldach und dem liegenden Stuhl oder auch mit einemMansardedache verbunden.

Bei diesen Ständerbauten unter 2 und 3 sind die Ständer immernach den Stockwerken abgesetzt und reichen nicht wie in den Kan-tonen Aargau, Zürich und Thurgau auf allemannische Art durch beideGeschosse.

Diese Mannigfaltigkeit zeigt sich noch auffallender bei den getrenntvon den Wohnungen erbauten Speichern und Stallungen, indem dieWände der unteren Stallung und des darüber befindlichen Heuspeichersentweder beide zugleich im Blockbau, oder beide im Ständerbau, oderauch nur die unteren im Ständer-, die oberen im Block- Bau con-struirt sind.

Bei den Wohnhäusern des Jaunthales kommt dagegen der durchzwei Etagen gehende Blockbau nicht vor.

Das Gemeinsame in der Konstruktion der dortigen Wohnhäuserbesteht in dem hohen steinernen' Unterbau, in der zentralen Grund-rissanlage der Küche mit ihrer weiten und hohen Bauchröhre ausBohlen, so wie in der Anlage von Gallerien, wodurch dem Abort stetssein Platz ausserhalb der Wohnung angewiesen werden konnte.

Ferner sind die Dielen der Fussböden in die verstärkten Wand-balken ringsum eingenuthet und konnten durch eine keilförmige aussenvorstehende Diele fest zusammengetrieben werden. Der einzige Unter-zug unter den Dielen der grösseren Giebelzimmer, welcher gewöhnlichnach aussen verlängert auch die Laubendielen stützt, fehlt nie.

Ebenso ist das 2-3 m weit ausladende Dach am Giebel mitden vorgeschobenen stützenden Dachfetten wie auch die durchgehendesenkrechte Hausflucht an den Traufseiten allen gemeinsam.

Die wesentlichen Unterschiede bestehen dagegen in der Kon-struktion der Wände und Dächer, sowie in der Art der Eindeckung.

Ist die Neigung des Daches flach wie im Berner Oberlande, dannerscheint regelmässig der stehende Stuhl damit verbunden. Hierbeibesteht die Eindeckung aus kurzen mehrfach aufeinander gelegten unddurch Steine beschwerten Brettern, welche von den auf die Sparrengenagelten und überfalzten Dielen getragen werden. Später hat manauch vielfach jene Bretter durch feine Schindeln ersetzt.

Ist aber das Rechtwinkeldach oder das Mansardedach angewandt,so erscheint damit stets der liegende Stuhl und die Eindeckung ge-schah auf breiten Latten mit feinen Schindeln.

Gewöhnlich wurde hierbei die Giebelspitze kurz abgewalmt undeine halbkreisförmige Verschaalung unterhalb des ausladenden Dachesam Giebel dadurch ermöglicht, dass zwischen die Konstruktionshölzerdes äussersten liegenden Binders und Lehrgespärres abgerundeteHolzstücke verzapft eingesetzt wurden, um die Schaalbretter querdarüber zu nageln. Man gewann damit grössere Flächen zu der späterdie Architektur beherrschenden Malerei.

Ein weiterer Unterschied wird durch die verschiedene Stützkon-struktion der am Giebel vorgeschobenen Fetten bedingt. Bestehtnämlich die obere Giebelwand aus Blockbalken, so tragen die stufen-weise vorgeschobenen Balken die an sich schon verstärkten Dachfetten,wie in Tafel 6 rechts, besteht aber jene Wand aus Ständern miteingeschobenen Bohlen, dann stützt allemal ein einzelner profilirterBug je eine Dachfette, wie in Tafel 6 links.

Beim Blockbau der Urkantone und des Berner Oberlandes sindnur diese Dachfetten und die dielentragenden Blockbalken verstärktund liegen wegem Blockverband nicht bündig, am Giebel meist tieferals an den Traufseiten.

Diese Verstärkung hat man auch im Jaunthale bei dem Blockbauder oberen Etagen beibehalten, dagegen haben die Wandbalken injenen Gegenden immer eine Dicke von 12-13,5 cm, während sie hiernur 6-7,5 cm dick sind.

A

B

Beim Ständerbau sind die Wandbohlen meist 9-10,5 cm dick undeben so wie im Berner und Freiburger Lande liegt auf dem verstärktenDielenträger eine gleich starke Schwelle, beide ringsum bündig. Dieseaufeinander liegenden verstärktenWandhölzer sind nothwendig, um so-wohl die Zapfenlöcher für die unterenund oberen Ständer zu vertheilen, alsauch wegen der mangelnden Verstei-fung der rechtwinklichen Wandgefachegegen seitliche Ausbiegung. Zugleichdienten jene nach Figur 13 aufden hochkantigen Dielenträgern mitihrer Breitseite ruhende Schwellen,welche am Frontgiebel mit der aufihnen stehenden Wand etwas vorgeschoben wurden, durch die Artihrer Unterstützung mit Konsolen oder als Bogenfries dekorirt, dieHorizontallinie an der Giebelfaçade hervorzuheben.

Fig. 13.

Nur bei dem Auflager der unteren Mauerschwelle steht der Dielen-träger mit der Bohlenwand vor jener Schwelle, worin dann die Kon-solen eingesetzt sind.

Die Ständer, welche nur an den Hausecken und an den Knoten-punkten der Scheidewände vorkommen, verzapfen sich oberhalb in dieDielenträger, unterhalb in die genannten Schwellen, mit Ausnahmeder unteren Mauerschwellen, wo auch die unteren Dielenträger dieStänderzapfen aufnehmen; die Fensterdeckhölzer kommen entwedernach Fig. 13, A seitwärts und zwischen die Ständer eingreifend, un-mittelbar unter die Dielenträger zu liegen, oder bei niedrigen Etagenbilden die Dielenträger wie in Fig. 13, B zugleich die Fensterdeck-hölzer.

Der Fensterbänke gehen in scharfem Anschluss an die Ständergewöhnlich um das Maass ihres Profilvorsprungs über die Ständer wegdurch die ganze Länge der Giebelfronte.

An den Hausecken, wo sich diese beiderseitigen Profile begegnen,sind sie stumpf über Gehrung gestossen und zuweilen mit eisernen3