Schroeder herausgegebene geologische Führer„ Naturwerksteine in Architektur undBaugeschichte von Berlin". Dieses Buch beschreibt„ gesteinskundliche Stadtbummelzwischen Alexanderplatz und Großem Stern" und weist nach, dass die verwendetenNatursteine- im Gegensatz zum Lehm der Berliner Backsteine- nicht aus der un-mittelbaren Umgebung, sondern aus ganz Europa nach Berlin transportiert wordensind. Solche gesteinskundlichen Publikationen über bestimmte Städte sind bereits im19. Jahrhundert erschienen. 1851-1853 publizierte etwa der Kunsthistoriker, Sozial-reformer und Vordenker der Denkmalpflege John Ruskin drei Bände über„ The Stonesof Venice". 1897 erschien eine Arbeit von Leo Wehrli„ Was uns in Zürich die Steineerzählen", 10 1923 das Buch„ The Stones of London" von James Vincent Elsden und J.Allen Howe, und 1934„ The Stones of Rimini" von Adrian Stokes. 12 1972 schließlichhat der angewandte Geologe Alois Kieslinger ein über 600 Seiten starkes Werk überdie Steine der Wiener Ringstraße vorgelegt, 13 und 2006 erschien bereits die zweiteAuflage eines gesteinskundlichen Überblicks zur englischen Stadt Leeds. 14 Im Hin-blick auf solche Publikationen hat der Kunsthistoriker Wolfgang Kemp von„ Stadt-geologien gesprochen- Publikationen, die der ganz unterschiedlichen Herkunft vonBaustoffen einer bestimmten Stadt nachgehen und damit laut Kemp„ das Ende derSelbstverständlichkeit“ dokumentieren,„ daß Architektur sich materiell wie konzep-tionell aus lokalen Baustoffen erklärt". 15 Und doch sind es immer wieder bestimmteBaustoffe und Steinsorten, an die sich so etwas wie stadtspezifische Leitsemantikenanlagern. Gerade heute im Zeitalter der verschärften Städtekonkurrenz und des..city branding"- scheint es für diese lokalistische Materialästhetik von ArchitekturBedarf zu geben. Im Prozess der„ Reästhetisierung" der Stadt im Kontext von Städ-tekonkurrenzen, kulturellen Ökonomien und urbaner Imageproduktion ist sie ein we-sentliches Element. 16 So heißt es bei dem Frankfurter Architekten Christoph Mäck-ler in einem SPIEGEL- Interview 1999:„ Das ist doch das größte Problem heute: EinArchitekt schafft sich ein einprägsames Image, indem er seine Häuser in immer diegleichen Hüllen steckt- aus Glas, Stein oder geknautschtem Aluminium. Dabei istes ihm egal, ob das Haus nun in Barcelona, Paris oder in Berlin steht. Ich meine,
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Johannes H. Schroeder( Hg.): Naturwerksteine in Architektur und Baugeschichte von Berlin. Ge-steinskundliche Stadtbummel zwischen Alexanderplatz und Großem Stern. 2. Aufl., Berlin 2006.
In deutscher Übersetzung erschienen als John Ruskin: Die Steine von Venedig. Dresden 1903ff.10 Dieser Titel wird genannt bei Wolfgang Kemp:„ The Stones of..."-„ Materialistische" Architekturäs-thetik bei Ruskin und Stokes. In: Monika Wagner u. Dietmar Rübel( Hg.): Material in Kunst undAlltag. Hamburg 2002, 33-43, hier: 33.
11 James Vincent Elsden u. J. Allen Howe: The Stones of London. A descriptive guide to the principalstones used in London with a brief non- technical account of their characteristical features. London1923.
12 Adrian Stokes: The Stones of Rimini. London 1934.
13 Alois Kieslinger: Die Steine der Wiener Ringstraße(= Die Wiener Ringstraße. Bild einer Epoche,Band 4). Wiesbaden 1972.
14 Francis G. Dimes u. Murray Mitchell: The Building and Stone Heritage of Leeds. 2nd Edition Leeds2006.
15 Kemp( wie Anm. 10), 33.
16 Vgl. Christine Hannemann u. Werner Sewing: Gebaute Stadtkultur: Architektur als Identitätskons-trukt. In: Albrecht Göschel u. Volker Kirchberg( Hg.): Kultur in der Stadt. Stadtsoziologische Analy-sen zur Kultur. Opladen 1998, 55-79, hier: 63.
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