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Stofflichkeit in der Kultur : Referate der 26. Österreichischen Volkskundetagung vom 10.-13. November 2010 in Eisenstadt
Entstehung
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das heißt den Sachen selbst", sowie der materialen und substantialen Stofflichkeit. Indiesem Sinne wende ich mich zunächst, noch vor den Dingen selbst, dem Verhältnis vonStofflichkeit und Wissenschaft zu.

Stofflichkeit und Wissenschaft

Die Sozialwissenschaften, sagt der Techniksoziologe Arno Bammé, haben sich in ih-rem Begriffs- und Aussagesystem von der Realität, auf die sie sich letztlich beziehen,gelöst". Ein solcher historischer Prozess konnte sich vollziehen, weil die Wissenschaftvier Dimensionen der Wirklichkeitsbetrachtung hinter sich gelassen habe: nämlich dasMündliche, das Besondere, das Lokale und das Zeitgebundene 5. Ich ergänze diesen Ka-talog um das Stoffliche.

Die mit dem Interesse am Konkreten anhebende Gegenbewegung bezeichnet Bamméinteressanterweise als Rückkehr der Wissenschaft in die Gesellschaft". Sie bedeutetalso die Rückkehr- ich schränke vorsichtshalber ein: der Sozialwissenschaften- zumMündlichen, zum Besonderen, zum Lokalen, zum Zeitgebundenen' und, zum Stofflichen.Mit diesem Befund sieht sich die Volkskunde fraglos als Schlüsselwissenschaft des 20.Jahrhunderts positioniert. Denn ihr wissenschaftliches Feld wird von den genannten Di-mensionen abgesteckt. Als passionierte Spezialistin von Restgrößen ist die Volkskundlerinvon dem neuen Staunen über das Anfassbare, das Authentische, das Gesicht, den Men-schen selbst nicht wirklich hingerissen, denn sie( oder er) haben sich ja nie wirklich vomKonkreten entfernt. Darin liegt das Unverwechselbare des Faches, das zugleich sein Stig-ma und, fachhistorisch, auch seine Krux ist. Die Kulturwissenschaft Volkskunde setzt seitihren Anfängen am Stoff im Sinne der sichtbaren, greifbaren Materialität der Kultur an.Heute, in der späten Moderne, erlaubt es der Volkskunde, ihre Routine im Umgang mitSachen mit Hilfe ihres über Jahrzehnte erworbenen methodologischen Instrumentari-ums, die Bedeutungen kultureller Erscheinungen in immer komplexeren Zusammen-hängen aufzuzeigen und den Dingen das ihnen zustehende Gewicht in der Kultur zu-zumessen. Darum ist diese allgemeine Rückkehr zur Stofflichkeit der Kultur für dieVolkskunde, gemessen an der früheren Auseinandersetzung mit Sachen und mit Sach-lichem, auf den ersten Blick zumindest, ein Gemeinplatz. Wissenschaftsforschung undSachkulturforschung, so können wir zwar nicht überrascht, aber immer wieder stau-nend feststellen, stehen in einem engen und aufschlussreichen Zusammenhang.8

Dieser Zusammenhang soll nun subjektiviert und am Beispiel einer ganz persönli-chen Begegnung mit zwei Möbelstücken entwickelt werden. Beide befinden sich in denRäumlichkeiten unserer Wissenschaft: an der Universität. Sie sind Stoff als Möbel undDing und zugleich Stoff der Wissenschaft, die wir treiben. Lassen wir uns bei dieserBetrachtung von zwei renommierten Persönlichkeiten helfen, die auch Reibungsfläche

4 Arno Bammé: Wissenschaft im Wandel. Bruno Latour als Symptom. Marburg 2008, 7.

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Bammé ebd. in Anlehnung an Toulmin, Stephen: Kosmopolis. Die unerkannten Aufgaben der Moderne.Frankfurt a. M. 1994, 60-64.

6 Bammé( wie Anm. 4), 8.

7 Toulmin, 298-307, zit. n. Bammé( wie Anm. 4), 9

8 Vor allem Stephan Beck hatte dies früh erkannt: Umgang mit Technik. Kulturelle Praxen und kultur-wissenschaftliche Forschungsrezepte. Berlin 1997.

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