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Stofflichkeit in der Kultur : Referate der 26. Österreichischen Volkskundetagung vom 10.-13. November 2010 in Eisenstadt
Entstehung
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gismund Kramer sind allerdings, so möchte ich vorschlagen, an einigen Punkten zuverfeinern oder zu erweitern.

So lassen sich Bedeutsamkeiten nicht eindeutig und nicht in unveränderlicher Be-ständigkeit erschließen, sondern es ist notwendig, historische Entwicklungen wie imFall des Zirbenholzbettes beispielsweise den Wandel der Bewertung von Holz und derKonnotationen von Zirbenholz, aber auch die Geschichte des Bettes als Möbelstückzu berücksichtigen. Eine solche Perspektive impliziert Arjun Appadurais Konzept von,, social history of things" 55, das auf die Veränderung der Bedeutung und Nutzung vonGruppen oder Kategorien von Objekten in längeren historischen Zeiträumen abzielt.Historische Entwicklungen in den Blick zu nehmen, bedeutet dann aber auch- daswurde am Beispiel des Zirbenholzbettes deutlich- der Wandelbarkeit von Bedeutun-gen Rechnung zu tragen.

Der zweite Aspekt, um den das Kramer'sche Konzept meines Erachtens zu ergänzenwäre, ist die Perspektive der deutenden Subjekte. Auch wenn Gudrun König betont,dass es in Kramers Ansatz nicht um die Rekonstruktion subjektiver Bedeutungen imjeweiligen Gebrauchskontext[ geht], sondern[ um] die Analyse der intersubjektivenkulturellen Bedeutsamkeit" 56, bietet- so würde ich vorschlagen- gerade das Verhält-nis von intersubjektiven Deutungsangeboten und tatsächlichem Umgang mit den Din-gen bzw. Deutung der Dinge einen ertragreichen Ansatzpunkt für die Analyse, denn:Bedeutungen( und hier ist der Plural wichtig, der auf die Polysemie der Dinge hin-weist) werden Dingen zum Teil aktiv zugeschrieben und in konkreten Situationen vonin sozialen Kontexten stehenden Menschen aktualisiert- und wie das Zirbenholzbettzeigt, können die Bedeutungen, die in bestimmten Handlungskontexten für bestimmteMenschen Relevanz erhalten, durchaus differieren. An dieser Stelle ist auf HermannBausingers Vorschlag zu verweisen, Dinge als mit bestimmten Potenzialitäten aus-gestattet zu betrachten, die in einem Prozess der Aktualisierung abgerufen werdenkönnen, aber nicht müssen. 57

An dritter Stelle erscheint es mir notwendig und lohnend, Bedeutsamkeiten von Din-gen als in breitere gesellschaftliche und kulturelle Dynamiken eingebunden zu ver-stehen und in Hinblick auf diese zu analysieren. Erst durch eine solche Perspektiveerschließt sich letzten Endes die Relevanz der Erforschung materieller Kultur, diedann nämlich nicht nur Erkenntnisse über die Dinge selbst bringt, sondern es ermög-licht, breite gesellschaftliche Bewegungen in ihren Konkretisierungen zu fassen unddamit komplexe Zusammenhänge sichtbar zu machen.

Mein Plädoyer gilt daher einer Objektanalyse, die Materialität und Bedeutung zusammen-denkt, die Bezüge herstellt zu den Menschen, die Bedeutungen schaffen und mit Din-gen umgehen, und die diese Prozesse in größere soziokulturelle Zusammenhänge stellt.Eine so konzipierte Objektanalyse eröffnet nämlich den Blick auf Dinge als Konzent-

55 Arjun Appadurai: Introduction: commodities and the politics of value. In: Ders.( Hg.): The social lifeof things: commodities in cultural perspective. Cambridge u. a. 1988, 3-63, hier: 34.

56 König( wie Anm. 10), 66.

57 Hermann Bausinger: Ding und Bedeutung. In: Österreichische Zeitschrift für Volkskunde, Jg. 107,2004, Heft 3, 193-210, hier: 208.

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