Zeitungen und Zeitschriften über die nun wissenschaftlich belegten Qualitäten vonZirbenholz.
Verschiedene mögliche Bedeutungskontexte, in die Zirbenholz nun gestellt wird, er-geben sich also zum Teil aus den Entstehungszusammenhängen der Studie, zum Teilaber auch aus den Entscheidungen verschiedener Möbelhersteller für ein bestimmtesDesign und eine bestimmte Art der Bewerbung ihrer Produkte sowie aus der einerseitsvon den Auftraggebern der Studie bewusst gelenkten, andererseits zu einem„ Selbst-läufer" 33 gewordenen Art der Medienberichterstattung. Zentral ist hierbei, dass dieVerknüpfung des Materials Zirbenholz mit zum Teil neuen Assoziationen und Sinnzu-sammenhängen auf zwei Ebenen passiert: einerseits materiell durch die Gestaltungder Betten, andererseits diskursiv durch die mediale Berichterstattung rund um dasZirbenholz und das Zirbenholzbett. Mit dem Zirbenholzbett wird also ein Produkt ge-schaffen, das aktiv mit einer Kombination aus alten und neuen Bedeutungskontextenverknüpft wird, die- wie später noch auszuführen sein wird- allesamt Bestandteilebreiterer Bewegungen sind. Dieser Prozess der Verbindung mit bestimmten Bedeu-tungskontexten kann- mit der Kommunikationstheorie der Cultural Studies gedachtals Kodierung bezeichnet werden.
Der Blick auf die andere Seite, auf die Dekodierung dieses Objekts, also auf die Deu-tungspraxis der Käuferinnen und Käufer zeigt: Das Abrufen bestimmter Bedeutungenmuss als etwas Aktives und innerhalb konkreter Handlungszusammenhänge verstan-den werden nur so sind die unterschiedlichen Deutungen von Herrn Kovacs undFrau Staudinger zu erklären. Während für Herrn Kovacs das Argument Gesundheitim Zentrum der Kaufentscheidung stand, betonte Frau Staudinger, dass sie sich garnicht näher für die gesundheitlichen Auswirkungen des Holzes interessiert habe, son-dern für sie das„ Naturprodukt Holz" 35 und der Umstand, dass dieses zu ihrem Ein-richtungsgeschmack passte, ausschlaggebend gewesen seien. Damit soll allerdingskeine individuelle Beliebigkeit in der Interpretation von Dingen suggeriert werden.Beide als Beispiele angeführten Interpretationsleistungen sind als Ergebnisse vonOrientierungen und Werthaltungen zu sehen, die in lebensgeschichtlichen und sozia-len Kontexten stehen.
Perspektiven auf das Zirbenholzbett III:Kulturelle Verflechtungen
Die aktive Einbindung des Bettes in Bedeutungskontexte seitens der Auftraggeberder Studie, des Forschungsinstituts und der Tischlereien sowie das situative Abrufeneinzelner Stränge dieser Bedeutungen von Seiten der Käufer/ innen sind innerhalbübergreifender gesellschaftlicher und kultureller Entwicklungen zu betrachten. Ex-emplarisch sollen nun einige der wichtigsten Kontexte des Zirbenholzbettes skizziertwerden.
33 Interview Langer( wie Anm. 22), 15.
34 Hall, Stuart: Kodieren/ Dekodieren. In: Roger Bromley, Udo Göttlich u. Carsten Winter( Hg.): CulturalStudies. Grundlagentexte zur Einführung. Lüneburg 1999, 92-110, hier: 94.
35 Interview Staudinger( wie Anm. 17), 3.
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