mit alpiner Rustikalität in Verbindung gebracht und galt als regionales Spezifikum.Mit dem gesunden Zirbenholzbett wurden zum Teil bestehende Assoziationen gelöstund neue hinzugefügt. Als Gesundheitsholz wird es nun auch in Gegenden mit gerin-gen oder gar keinen Zirbenvorkommen verarbeitet, nach wie vor wird es aber in denKontext der heimischen Hölzer gestellt.
Für die Verbindung mit bestimmten Bedeutungskontexten spielt auch das Design derBetten eine wichtige Rolle. Der hauptverantwortliche Auftraggeber der Studie siehteine Erklärung für die Absatzschwierigkeiten von Zirbenholz, die der Ausgangspunktfür die Studie waren, in der lange üblichen rustikalen Gestaltung der Zirbenholz-möbel, die aus der Mode gekommen war. 22 Ab den späten 1980er und verstärkt den1990er Jahren zeichnete sich ein Trend„ Zurück zur Natur" ab, der sich in der Ver-wendung von Massivholz und von schlichten Formen mit abgerundeten Kanten be-merkbar machte. 23 Die gesunden Zirbenholzbetten knüpfen mit ihrer Gestaltung andiese Entwicklungen an. Erwin Lindner, der sich nach der Zirbenholzstudie auf dieProduktion von Zirbenholzbetten spezialisiert hat, sieht die bewusste Entscheidungfür ein modernes Design als zentralen Faktor für den Erfolg der Vermarktung seinerZirbenholzbetten. 24 Damit grenzt er sich bewusst gegenüber den bisherigen Verwen-dungstraditionen des Materials ab.
Die Funktion des Zirbenholzbettes lässt sich auf mehreren Ebenen denken. Zunächstist das Bett als Ort des Ruhens, Schlafens und der Intimität zwischen Liebespart-nern zu betrachten- Funktionen, die aus historischer Sicht im Zusammenhang einesstark sozial differenzierten Prozesses der Privatisierung des Schlafens stehen. 25 ImRahmen meiner Untersuchung zeigte sich, dass dem Bett als Ort des Schlafens einebesondere Bedeutung für das Wohlbefinden zugemessen wurde. Herr Kovacs, ein an-derer Kunde der Tischlerei( ebenfalls Mitte 40, gelernter KFZ- Mechaniker, nun aberals selbstständiger Landschaftsgärtner tätig), beispielsweise betonte, er habe gerade..etwas Gesundes zum Schlafen" 26 gesucht, als er erstmals vom Zirbenholzbett hörte.Auch das Ehepaar Staudinger machte sich Gedanken über die Anschaffung eines be-sonders guten Bettes. Frau Staudinger betonte, dass sie sich wirklich Zeit gelassenund lange darauf hin gespart hätten, um das Richtige zu finden. 27
In einem weiteren Zusammenhang ist das Bett aber auch in seiner Funktion als Teil derWohnungseinrichtung und des Wohnambientes zu sehen, in dem sich Lebensstile aus-drücken. Für Frau Staudinger war klar: Das Bett muss„ zum Einrichtungsgeschmackdazu passen" 28. Wenn sie ihren Einrichtungsgeschmack als„ grüne Linie" 29 charakte-
22 Vgl. Interview mit Herrn DI Andreas Langer, Auftraggeber der Studie des Tiroler Waldbesitzerver-bandes und des Südtiroler Bauernbundes über das Zirbenholz, November 2005, 23.
23 Vgl. Andrea Euler:„ Ihr Tischler macht's persönlich...". Wohnen mit oberösterreichischen Möbel-herstellern seit 1945. In: Dies.( Hg.): Wie wir wohn( t) en. Alltagskultur seit 1945. Linz 2005, 55-88.24 Vgl. Interview Lindner( wie Anm. 16), 11.
25 Vgl. Gottfried Korff: Einige Bemerkungen zum Wandel des Bettes. In: Zeitschrift für Volkskunde, Jg.77, 1981, Heft 1, 1-16.
26 Interview mit Robert Kovacs, Landschaftsgärtner, April 2006, 1.
27 Vgl. Interview Staudinger( wie Anm. 17), 4.
28 Ebd. 7.
29 Ebd.
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