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Stofflichkeit in der Kultur : Referate der 26. Österreichischen Volkskundetagung vom 10.-13. November 2010 in Eisenstadt
Entstehung
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der alltäglichen Not und der verlorenen Heimat- einem im Grunde negativen und be-lasteten Erbe wandeln sich die Dinge in den Museen durch paradoxe Umdeutung bzw.positive Re- Interpretation der Stofflichkeit zu Symbolen des wirtschaftlichen Aufstiegesund des Integrationserfolges. Eine Übernahme der Heimatstubenbestände gäbe dar-über hinaus auch Gelegenheit zur Diskussion über Integrationsbereitschaft sowie zurreflektierten Darstellung der Ursachen für Flucht und Zwangsmigration oder auch derGenese einer organisierten Opfergemeinschaft der Heimatvertriebenen' und lands-mannschaftlicher Vereinskultur der Nachkriegszeit.48

Ausgehend von der ursprünglichen Motivation, der Rettung des Kulturerbes dieser Regi-onen wäre es drittens überlegenswert,( Teil-) Bestände der Heimatstuben in die Museenund Archive der Herkunftsgebiete, die nun in Polen, Tschechien und anderen ost- undsüdosteuropäischen Ländern gelegen sind, folglich also in die alte Heimat'49 im räum-lichen Sinne zu überführen. Das Interesse dort scheint groß zu sein und diesbezüglicheAnfragen bestehen schon seit längerer Zeit. Es ist anzunehmen, dass sich die Beständeentsprechend ergänzen und zugleich die Verwobenheit europäischer Geschichte" 50 wi-derspiegeln würden. Doch ein solcher Kulturguttransfer' gilt auch noch heute für vieleVertreter der Nachfolgegenerationen offiziell als ein‚zweiter Verlust der Heimat'.51

Viertens handelt es sich schließlich um ein Phänomen, das aufgrund seiner Funktion imKontext von Erinnerungskultur auch das Interesse der Kulturwissenschaften geweckthat. Beispielhaft wird daher die Konservierung einer solchen Heimatstube als Ensemb-le in Betracht gezogen. 52 Die Stofflichkeit könnte somit zu einem sichtbaren Stück Erin-

anhaltende wirtschaftliche Aufschwung ohne die Vertriebenen, unter denen die Sudetendeutscheneine besonders starke Gruppe darstellten, nicht möglich gewesen wäre." Zitiert in: Rede des Bay-erischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer anlässlich des Festaktes 50 Jahre Stadt Traunreut- 60 Jahre Gemeinde Traunreut" am 1. Oktober 2010 in Traunreut. Online unter: http://www.bayern.de/ Anlage10326167/ 50 Jahre Stadt Traunreut.pdf( Zugriff: 29.10.2010). Zur Selbstzuschreibung derFlüchtlings- und Vertriebenengemeinschaften: Die Ungarndeutschen haben in den vergangenen40 Jahren ihren Fleiß, ihren Aufbauwillen und ihre Friedensliebe eindrucksvoll bewiesen." ChristianLudwig Brückner: Das Ungarndeutsche Heimatmuseum in Backnang. Überarb. und hrsg. von KlausJ. Loderer. Backnang 1993, 10.

48 Kurt Dröge empfahl, die Thematik u. a. als Folgen von Krieg, Nationalismus und Ausgrenzung[...]"einzubringen. Siehe Dröge 2000( wie Anm. 43), 14f.

49 Ein Beispiel ist die Überführung der Sammlung Meseritz als Dauerleihgabe im Jahr 2010. Vgl. dazudie Pressemeldung: Michaela Pitz: Zurück in die Heimat: Exponate des Kreismuseums Wewels-burg werden künftig im polnischen Meseritz gezeigt. Online unter: http: //www.kreis-paderborn.org/ kreis_paderborn/ presse/ 2010/ entries/ exponate_meseritz.php( Zugriff: 27.10.2010). Die Samm-lungsbetreuer, die auch diese Option in Betracht ziehen würden, sind derzeit in der Minderheit.50 Silke Göttsch- Elten: Heimatsammlungen in Deutschland. Überlegungen zu ihrer heutigen Bedeu-tung. In: Detlef Haberland u. Jens Stüben( Hg.): Berichte und Forschungen. Jahrbuch des Bundesin-stituts für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa. München 2009, 135-142, 136.51 Vgl. Bund der Vertriebenen: Kulturkonzept des BdV. Online unter: http: //www.bund-der-vertrie-benen.de/infopool/kultur 10.php3( Zugriff: 28.05.2010), 2. Dass eine Rückführung in die alte Hei-mat' als ein zweiter Verlust angesehen wird, bestätigten überdies mehrere Sammlungsbetreuerauf Tagungen sowie auf Nachfrage im Rahmen der Projekte zur Dokumentation der Heimatsamm-lungen in Deutschland in den Jahren 2007-2010.

52 Die Angaben basieren auf Recherchen für die Dokumentation der Heimatsammlungen von Flücht-lingen, Vertriebenen und Aussiedlern in Deutschland" im Rahmen des Kooperationsprojektes des

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