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Stofflichkeit in der Kultur : Referate der 26. Österreichischen Volkskundetagung vom 10.-13. November 2010 in Eisenstadt
Entstehung
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ihre zukünftige, langfristige Erhaltung fehlt es den Interessenverbänden an engagiertenMitgliedern und an finanziellen Mitteln. Was bleibt, sind verwaiste Sammlungen. DieMehrheit der nachfolgenden Generationen der Flüchtlinge und Vertriebenen definiertsich kaum über den Aspekt der verlorenen Heimat und ist eher selten empfänglich fürdie Übermittlung von Wissen oder Werten anhand der emotionalen und symbolischenMerkwelten'38, wie sie von den Vertretern der Erlebnisgeneration mit Hilfe der Objekteund ihrer Narrative kreiert wurden. Ausgehend vom Desinteresse und dem fortschrei-tenden Mitgliederrückgang ist die organisierte Gemeinschaft der Flüchtlinge und Ver-triebenen in Auflösung begriffen.39 Die Symbole und Erinnerungsobjekte verlieren nachder affektiven nun auch ihre identitätsstiftende Bedeutung. Daher stellt sich die Fra-ge nach dem Sinn einer zukünftigen Bewahrung und Vermittlung dieser Sammlungen.Welche Bedeutungen können Beständen zugeschrieben werden, deren bisherigen Auf-bewahrungsort- die Heimatstuben- Manuela Schütze als kulturelle Muster der Ver-arbeitung von Verlustsituationen" 40 versteht und die Utz Jeggle als kulturelles Siche-rungssystem" 41 für eine verschwindende Gemeinschaft interpretiert? Inwieweit kannund sollte aus Sammlungen, die nach eher emotionalen und erkenntnistheoretisch nununzeitgemäßen Gesichtspunkten entstanden sind, wie Gottfried Korff es formuliert,noch epistemischer Profit geschlagen werden"? 42

Bislang sind verschiedene Verfahrensweisen festzustellen: Erstens wurden seit den1980er Jahren in Westdeutschland so genannte Landesmuseen'43 für die zentrale Be-wahrung des.materiellen Kulturgutes', u. a. auch aus den Heimatsammlungen ein-gerichtet. Aus der Sicht dieser kulturhistorischen Museen mit Bezug zu Ost- und

38 Vgl. dazu Exkurs 3 in Gottfried Korff: Betörung durch Reflexion. Sechs um Exkurse ergänzte Bemer-kungen zur epistemischen Anordnung der Dinge. In: te Heesen u. Lutz 2005( wie Anm. 28), 89-107,hier: 97.

39 Für die Mitgliederzahlen des Bundes der Vertriebenen( BdV) und der einzelnen Landsmannschaftengibt es keine gesicherten Angaben, da die Mitglieder nicht zentral registriert werden. In der jüngstenDiskussion wird trotz gegensätzlicher Angaben des BdV von einem Rückgang ausgegangen, der demZurücktreten der Erlebnisgeneration in etwa entspricht. Eva Maria Hinterhuber: Der Bund der Ver-triebenen als Organisation der Zivilgesellschaft. Eine kritische Analyse. In: Transparenz, Akzeptanzund Legitimität. Der Bund der Vertriebenen in zivilgesellschaftlicher Perspektive. Opusculum 44,2010, 4-28, hier: 14f. Vgl. dazu auch Benedikt Erenz: Das bestgehütete Geheimnis. Ein Gespräch mitdem Historiker Hans Henning Hahn über den Mythos Vertreibung, Erika Steinbachs Museum unddie Parallelgesellschaft der Landsmannschaften. Die Zeit vom 07.10.2010. Online unter: http: // www.zeit.de/2010/41/Interview-Hahn( Zugriff: 11.10.2010).

40 Manuela Schütze: Zur musealen Aneignung verlorener Heimat in ostdeutschen Heimatstuben. In:Kurt Dröge( Hg.): Alltagskulturen zwischen Erinnerung und Geschichte. Beiträge zu einer Volkskun-de der Deutschen in und aus dem östlichen Europa. München 1995( Schriften des Bundesinstitutsfür Ostdeutsche Kultur und Geschichte, 6), 95-111, hier: 95.

41 Utz Jeggle: Kaldaunen und Elche. Kulturelle Sicherungssysteme bei Heimatvertriebenen. In: DierkHoffmann, Marita Krauss u. Michael Schwartz( Hg.): Vertriebene in Deutschland: interdisziplinäreErgebnisse und Forschungsperspektiven. München 2000( Schriftenreihe der Vierteljahrshefte fürZeitgeschichte, Sondernr.), 395-407.

42 Korff 2005( wie Anm. 38), 97.

43 Landesmuseen für nicht mehr existente Landesgebilde", wie Kurt Dröge richtig stellt. Kurt Dröge:Das ostdeutsche" Museum und Ostmitteleuropa. In: Jahrbuch für deutsche und osteuropäischeVolkskunde 43, 2000, 1-27, hier: 2.

44 Die Museen stehen in der Fördertradition nach§ 96 des Bundesvertriebenengesetzes von 1953, in

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