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Stofflichkeit in der Kultur : Referate der 26. Österreichischen Volkskundetagung vom 10.-13. November 2010 in Eisenstadt
Entstehung
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Töpfe, Kronleuchter, ein Keyboard etc. Die Sachen werden von der Firma mitgenommen.Manche müssen gesondert entsorgt werden, andere verkaufen die Entrümpler weiter.Die Möbel von Frau K.s Dreizimmerwohnung und ihres halben Lebens werden innerhalbvon 5 Stunden auf schätzungsweise 4-5m³ auf der Straße vor ihrer Wohnung gesta-pelt. Als die drei Arbeiter anfangen, den im altdeutschen Stil gehaltenen Wohnzimmer-schrank auseinanderzubrechen, bin nur ich mit ihnen im Zimmer. Die Familie von FrauK., die bei der Räumung mithilft, versammelt sich am entferntesten Ort der Wohnung,im hinteren Teil der Küche und macht Brotzeit. Keiner betritt das Wohnzimmer, bevor esleer ist. Nur ein langjährige Freund der Familie, der Frau K. sehr gut kennt und etwa inihrem Alter ist, kommt nach einiger Zeit zu uns, bleibt wenige Minuten kopfschüttelndin der Tür stehen und geht dann wortlos wieder.

Herr R. und die Wandteller 18

Herr R. will sehr wenige Dinge mitnehmen, das meiste soll mit seinem Haus verkauftwerden. Ein großes, sicherlich über hundert Jahre altes Stillleben mit Blumen und dreiWandteller möchte er aber im Zimmer aufhängen. Die Teller haben in den 70er Jahren,als er sie gekauft hat, zusammen über 2200 Mark gekostet. Sie hätten ihm und seinerFrau einfach gefallen und daher hätten sie die Stücke für das Esszimmer gekauft. WieBild 2 deutlich macht, handelt es sich bei Herrn R. nicht um einen Kunstsammler. Dieteuren Teller hängen zusammen mit grobem überdimensionalem Holzbesteck über denEsstisch. Als er sie einpackt, fragt ihn seine Lebensgefährtin, die mit dabei ist, wo erdiese den aufhängen wolle? Sie gibt zu bedenken, es sei zu wenig Platz an den Wändendafür. Herr R. hält inne und, ohne ungeduldig zu werden, ruhig und bestimmt, sagt er: Ich nehm die mit. Ich nehm die mit oder ich derschmeiß sie an der Wand." Dann lä-chelt er.

Frau L. und das Ensemble

Frau L. erzählt mir in einem der Gespräche in ihrem Zimmer, wie wichtig ihr Bücher wa-ren und dass ihr Mann und sie eine ganze Bibliothek besaßen. Sie habe genau gewusst,wo was gestanden war und wo sie habe nachschlagen müssen. Ich frage sie, warum sienicht wenigstens ein paar der Bücher mitgenommen habe. Als Antwort fragt sie mich,

18 Vgl.: Bild 2.

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