teilnehmenden Beobachtung angemerkt- um ein Ideal handelt, das sie in der Praxisnoch nie angetroffen hat. In einer zweiten Vermessung des Körpers am Ende der Kurfindet ein zweiter Vergleich der Maße statt; dieses Mal aber bildet nicht der goldenePatient das Vergleichsschema, sondern die PatientInnenkörperwerte zu Beginn derKur. Daraus lässt sich objektiv der Grad der Verbesserung durch den durchgeführtenReinigungsprozess ablesen.
Die PatientInnen, mit denen ich die meiste Zeit während der teilnehmenden Beob-achtung verbracht habe, griffen die Mayer'schen Maßeinheiten zwar bereitwillig auf,ergänzten diese aber um eigene Beobachtungen. In einzelnen Fällen konnten dies ob-jektive Kriterien sein, wie etwa die Veränderung von Blutwerten oder des Blutdrucks,was laut Auskunft eines Kurgasts eine Reduktion der regelmäßigen Medikamenten-einnahme zur Folge hatte.
Ein ähnlich objektiver, allerdings weitaus weiter verbreiteter Indikator für Entschla-ckung war das Gewicht. Verlorenes Gewicht bedeutete automatisch auch eine Erhö-hung des Reinigungsgrads- eine Definition, mit der die Mayr Medizin nicht glücklichist. In dem von mir für die Datenerhebung ausgewählten Kurhaus waren Waagenverpönt. Zumindest theoretisch war ein Abwiegen des Körpers mit einem Arztbesuchverknüpft, da sich die vermeintlich einzige Waage im ärztlichen Ordinationsraum be-fand. Allerdings war die hoteleigene Sauna mit einer Waage ausgestattet, was dieMayr'sche Messpolitik in gewissem Sinn konterkarierte. Grund für die ablehnendeHaltung gegenüber Waagen ist, dass das Gewicht gemäß Mayr'scher Medizin nichtmit Reinigung gleichgesetzt werden kann, denn Reinigung finde laut Auskunft mei-ner Ärztin auch dann statt, wenn der Gewichtsverlust nur minimal sei. Gewichts-reduktion sei überhaupt eher als Nebeneffekt der Kur zu sehen und nicht als Ziel.Diese Einstellung mag mit der immer wieder anzutreffenden Kritik gegenüber derMayr Kur zu tun haben, die darauf hinweist, dass sie aufgrund des Jojo- Effekts nichtzum Abnehmen geeignet sei. 28 Unter PatientInnen herrschte trotzdem weitgehendeEinigkeit darüber, dass Gewichtsverlust ein aussagekräftiger Indikator für Entschla-ckung sei auch wenn wenig Gewichtsverlust nicht automatisch weniger Reinigungbedeutet.
Ein Mitgrund für den wichtigen Status des Gewichts ist, dass es als kleinster ge-meinsamer Nenner zwischen Entschlackungsgläubigen und Entschlackungsskepti-kerinnen dient. Während meiner Datenerhebung konnte ich beobachten, dass einigeGäste mit Bezug auf die von wissenschaftlicher Medizin vorgebrachten Argumenteskeptisch gegenüber dem Entschlackungskonzept waren. Das pensionierte EhepaarHermine und Peter waren so ein Fall. Ihr primäres Ziel für die Kur war nicht Ent-schlackung denn Schlacken existierten ihrer Meinung nach nicht, wie sie mir imVertrauen erzählten- sondern ein paar Kilos zu verlieren. Sie seien auf Empfehlung
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28 Z.B.: Diäten Check.
http://www.ernaehrungsberatung-wien.com/-abnehmen-/diaeten-check/
info- diaeten- check.html( Zugriff: 05.03.2011).
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