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Stofflichkeit in der Kultur : Referate der 26. Österreichischen Volkskundetagung vom 10.-13. November 2010 in Eisenstadt
Entstehung
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an, so dass es schließlich über u. über mit Dingen belegt ist, die sie täglich braucht".33Versuchten die Wärterinnen, sich dem Bett der Patientin zu nähern oder wollte sie die-ses gar reinigen, wehrte Helen Prager diese Versuche- unter Einsatz ihres Körpersvehement ab... Läßt ihr Bett nicht machen.[...] Schläft auf ihren Akten", wurde im Juni1928 notiert. 34 Die Pflegerinnen, die für das Reinigen der Patientinnen- Zimmer verant-wortlich waren, entwickelten in Folge eigene Strategien, um ihren Aufgaben nachkom-men zu können: Sie nutzten die Augenblicke, die Prager im Bad war, um unbemerktihr Zimmer zu betreten und das Bett zu reinigen. Dabei zeigten sich all die Dinge, diePrager im Laufe der Zeit, die sie im Bett zubrachte, gehortet und mittels derer sie ihr..Territorium des Selbst" 35 begründet hatte. Dieser Prozess der Dinganeignung, der dieAusbildung und kontinuierliche Erweiterung dieses Territoriums ermöglichte, stelltsich in einem Eintrag aus dem Jahr 1928 folgendermaßen dar: Stapelt immer mehrPapiere, Lebensmittel, Nähmaterial, Wäsche etc. im Bett und ihrer nächsten Umge-bung auf Stühlen, Nachttischchen etc." 36 Die Platzierung von Dingen kann in diesemKontext als ein zentrales Element Bezug nehmend auf die Konstitution und Sicherungeines eigenen Raumes wahrgenommen werden: Prager markierte mit Hilfe der ihr zurVerfügung stehenden Dinge den Raum als den ihren, zog mit denselben eine sichtbareGrenze, innerhalb derer sie sich einen Raum der Intimität und Privatheit schuf. So wur-de das von ihr beanspruchte Territorium erst über die Platzierung der ihr zur Verfügungstehenden Dinge sichtbar, die ihren Beitrag dazu leisten( sollten), dass dieses..Territori-um des Selbst" auch von den Ärzten und Pflegerinnen als solches wahrgenommen undrespektiert wurde.

Resümee

..Jenseits von Verbalität und Schriftlichkeit, so die Erkenntnis, lauern weiterhin( Tat-)Sachen", schreiben die Herausgeberinnen und Herausgeber der Zeitschrift für Kultur-wissenschaften in einer Ausgabe, die sich dem Thema Fremde Dinge" widmete. 37 Sieverweisen damit auf das in den Kultur- und Geisteswissenschaften in den letzten Jah-ren wieder gewonnene Interesse für Fragen nach dem Stofflichen, dem Materiellen,dem Dinghaften- Fragen, denen sich auch der vorliegende Tagungsband widmet. In denvon mir dargestellten Beispielen sollte deutlich werden, dass Fragen nach den Dingenimmer auch Fragen nach den Praktiken- Praktiken des Umgangs, Praktiken der Aneig-nung- implizieren. So steht die( Wieder-) Entdeckung der Dinge in engem Zusammen-hang mit einer so genannten Praxiswende", mit der in den letzten Jahren vermehrtdie Bedeutung von Praktiken für die Konstitution von Identität, Kultur, Gesellschaft in

33 Ebd. Eintrag vom 18.6.1928.

34 Ebd.

35 Vgl. Erving Goffman: Das Individuum im öffentlichen Austausch. Mikrostudien zur öffentlichenOrdnung, Frankfurt am Main 1982[ engl. Orig. 1971], 54.

36 Krankenakte Prager, Eintrag vom 29.09.1928.

37 Michael C. Frank, Bettina Gockel, Thomas Hauschild, Dorothee Kimmich u. Kirsten Mahlke( Hg.):Fremde Dinge- zur Einführung. In: Dieselben( Hg.): Fremde Dinge.(= Zeitschrift für Kulturwissen-schaften 1) Bielefeld 2007, 9-16, 9.

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