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Stofflichkeit in der Kultur : Referate der 26. Österreichischen Volkskundetagung vom 10.-13. November 2010 in Eisenstadt
Entstehung
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Unter konträrer Regie, nicht durch die EU, sondern vom, Rande" und von unten" vor-angetrieben, werden in Real- Europa" gerade ganz andere Waren- freilich ohne Ma-de- in- Europe"-Labelling- gleichfalls zu europäischen Dingen" gemacht. Der Histori-ker Karl Schlögel hat diese Transformation am Beispiel von Marjampole, dem größten,in Litauen gelegenen Autobasar in beeindruckender Weise dargestellt. Denn dort- undan vielen anderen Orten nutzen Händler den europäischen Binnenmarkt und seineGrenzen, um ihr Leben fristen zu können. Doch mit ihren vielen zum Verkauf ange-botenen Waren bilden sie dabei, wie Schlögel treffend meint, jene Kriechströme, vondessen Energie sich das neue Europa speist." 76

Made in Europe

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Nach 120 Jahren Existenz hat die EU mit der Verordnung 244/2009 der Glühbirne einEnde bereitet. In Österreich und Deutschland hat dies zu Hamsterkäufen, zu kulturge-schichtlichen Betrachtungen, somit zu Wehmut und zu heftigen Klagen über den Rege-lungs- Wahn der EU" geführt." Erlischt damit aber die Lampe" des Europäischen. Oderwerden dadurch, wie der Wiener Schriftsteller Alfred Polgar in einer Kurzgeschichteüber Die Dinge" 78 festgehalten hat, eben diese Dinge erst schamlos munter"? Schaffendaher in der Fragestellung dieser Untersuchung- die europäischen Dinge" letztlichdoch Europa? Meine Antwort lautet: Ja, sie tun dies, aber sie schaffen ein besonderesEuropa; es ist dies ein Real- Europa des Binnenmarktes, in dem das Made in Europe"im business- to- business- Geschäft funktioniert, aber kaum zu europäischer Identitätbei trägt. Die Ökonomie scheint daher so eine Bilanz die Kultur nicht dominieren zukönnen. Dies lässt mich in letzter Konsequenz skeptisch sein gegenüber einem allzuenthusiastisch eingeforderten Europa, zu dem es umgekehrt aber- wie auch in einerlängst zu einer europäischen Kulturforschung erweiterten Volkskunde- kaum eine Al-ternative gibt.

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Die englische Rockband Deep Purple" hat 1975 ihr Album Made in Europe" mit Auf-nahmen von Lifekonzerten aus Saarbrücken, Paris und auch aus Graz zusammen ge-mischt. Als die Platte 1976 dann erschienen ist, war die Gruppe bereits auseinandergebrochen. Leider, finde ich auch heute noch- aber das muss nicht das Schicksal Eu-ropas sein.

76 Karl Schlögel: Marjampole oder Europas Wiederkehr aus dem Geist der Städte. Wien 2005, 9-34.

77 Europa. Die EU zwischen Bürgernähe, Bürokratie und Machtpolitik. In: Der Standard, 29.5.2009, 18;

Der Glühbirne reißt der Faden. In: Der Standard, 27.8.2009, 18; Ein Licht geht aus. In: SchwäbischesTagblatt, 03.09.2009, 17.

78 Alfred Polgar: Kleine Schriften, Bd. 2, Reinbek b. Hamburg 1983, 17-21.

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