auch kaum wahrgenommen. Aber sie sind trotzdem in vielfältiger Weise in unseremAlltag.da', machen EU- Europa so auch„ real" 19- und sollten daher auch kulturwis-senschaftlich zum Thema gemacht werden. Denn es sind die Dinge und die Waren, sohat Asta Vonderau in ihrer schönen Litauen- Studie über das Leben im„ neuen Europa"gezeigt, die zuallererst die„ Europäer" machen.20
Für dieses Thema ist das Burgenland als Veranstaltungsort der„ ÖsterreichischenVolkskunde- Tagung" gleich mehrfach ein guter Ausgangspunkt: Als nach dem ErstenWeltkrieg zu Österreich gekommener Teil des alten Ungarns verkörpert das Burgenlandmit seiner alten multi- ethnischen Zusammensetzung noch am stärksten die Idee des„ kleinen Europa"; weiters hat das Bundesland ganz außerordentlich vom EU- BeitrittÖsterreichs profitiert hat. Es ist daher ein passender Ort, um die Europäisierung des..bäuerlichen Gerätebestandes"- wie überhaupt die Veränderung der burgenländischenDingkultur21 zu beobachten. Und zuletzt: Der Grazer Historiker Moritz Csáky hat dieMetapher des„ kleinen Europa" aufgegriffen, um die in der Habsburgermonarchie prä-sente kulturelle Vielfalt Mitteleuropas zu benennen. Diese habe komplexe Formen derWahrnehmung und des Umgangs mit Differenzen notwendig gemacht, habe zudem pro-duktive Laboratorien für ethnische und kulturelle Vielfalt" geschaffen 22, die- so kannmit dem Wiener Sozial- und Kulturanthropologen Andre Gingrich weiter argumentiertwerden- der„ akademischen Welt" ein„ eigenständiges Suchen" erlaubt habe. 23
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Dieses originäre Suchen lenkt den Blick über die„ Stofflichkeit in der Kultur"auf die europäischen Dinge". Dabei aber ist- dies zeigt eine schnelle Google- Recher-che in der breiteren Öffentlichkeit von„ europäischen Dingen" meist nur dann die Rede,wenn die Komplexität und somit die beschränkten Erfolgsaussichten des europäischenEinigungsprozesses angesprochen werden sollen. Dies ist hier nicht gemeint- zumin-dest nicht primär. Stattdessen sollen die konkreten„ europäischen Dinge", ihre Gestalt,ihre Materialität, ihre Funktion und somit auch ihre Bedeutung für die KonstruktionEU- Europas im Vordergrund stehen. Denn sie sind zum einen selber das Ergebnis desfortgeschrittenen Europäisierungsprozesses, zum anderen aber- und dies ist deutlich
19 Adolf Muschg: Was ist europäisch? Reden für einen gastlichen Erdteil. München 2005, 97ff.:..Aberzugleich existiert Europa ja zum erstenmal in seiner Geschichte auch so real wie nur möglich. Esbesitzt jene Sorte Wirklichkeit, die Pragmatikern unmittelbar einzuleuchten pflegt: eine gemeinsa-me Währung, also den ultimativen' Beweis seiner Existenz. Das Problem ist nur, dass zwischen demTageskurs des Euro und dem U- Topos Europa eine riesige Bedeutungslücke klafft."
20 Asta Vonderau: Leben im neuen Europa'. Konsum, Lebensstile und Körpertechniken im Post-sozialismus. Bielefeld 2010.
21 In Erinnerung an mein Studium in Wien in dem die materielle Kultur des Burgenlandes eine wichtigeBedeutung hatte: Olaf Bockhorn: Arbeit, Haus, Gerät im Burgenland. Untersuchungen zur bäuerli-chen Kultur. Unveröffentlichte Habil. Schr. Wien 1984; Károly Gaál: Zum bäuerlichen Gerätebestandim 19. und 20. Jahrhundert. Forschungsergebnisse zur vergleichenden Sachvolkskunde und volks-kundlichen Museologie(= Sitzungsberichte der Österreichischen Akademie der Wissenschaften,Philosophisch- Historische Klasse, 261,1). Wien, Graz 1970.
22 Moritz Csáky: Die Vielfalt der Habsburgermonarchie und die nationale Frage. In: Urs Altermatt( Hg.):Nation, Ethnizität und Staat in Mitteleuropa. Wien, Köln, Weimar 1996, 44-64, hier: 55f.
23 Andre Gingrich: Kulturgeschichte, Wissenschaft und Orientalismus. Zur Diskussion des frontierorientalism' in der Spätzeit der K.u.K. Monarchie. In: Johannes Feichtinger u.a.( Hg.): SchauplatzKultur- Zentraleuropa. Transdisziplinäre Annäherungen(= Gedächtnis- Erinnerung- Identität, 7).Innsbruck u.a. 2006, 279-288.
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