nur für Kunstwerke zu, sondern für Kultur bzw. Alltagskultur insgesamt, für die dem-nach gelte,..... daß sich... äußere und innere Kultur entsprechen." 17 Äußere Kultur- daswäre also ihre stoffliche, materielle, aber auch leibliche Seite; innere Kultur hingegenderen geistige: die Vorstellung, die Idee, der Gedanke. Beide Seiten gehören zusam-men; sie können gar nicht getrennt werden, in den Worten Scharfes:„ Als Ausdrucknämlich ist auch die Stofflichkeit und Materialität des Werkes( als äußere Kultur') stetsauf ein Inneres bezogen."
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In der Erkenntnis der wechselseitigen Bedingtheit innerer und äußerer Kultur und derUnausweichlichkeit der Materialisierung alles Gedanklichen liegt, so meine ich, einerster, überzeugender theoretischer Ansatz für den Umgang mit Materialität bzw. Stoff-lichkeit aus der Perspektive der Kulturwissenschaft Volkskunde vor. Diesem möchte ichnoch einen zweiten, nicht minder bedeutsamen zur Seite stellen.
Stoffe und ihre, Neigungen
Auch dieser zweite Ansatz geht über die Dinge hinaus, allerdings in einer anderen Wei-se. Er richtet das Hauptaugenmerk auf deren stoffliche Konsistenz bzw. auf die Stof-fe selbst und geht auf Überlegungen des Chemikers und Philosophen Jens Soentgenzurück. 20 In seiner 1997 publizierten Dissertation entwickelt Soentgen, teilweise inAuseinandersetzung mit Überlegungen von Martin Heidegeger und Wilhelm Schapp,eine( phänomenologische) Theorie der Dinge und Stoffe, die beiden Eigensinn undHandlungspotentiale bzw. Eigenaktivität zugesteht:„ Stoffe( und Dinge) tun etwas." 21Soentgen hat damit, wie er in der 2011 online erschienenen, zweiten Ausgabe seinerDissertation betont, Überlegungen vorweggenommen, die später im Rahmen der Ac-tor- Network- Theory einem breiten Publikum zugänglich gemacht werden sollten. 22 Fürdas Tun der Dinge und Stoffe verwendet Soentgen den im ersten Moment merkwürdiganmutenden Begriff der Neigungen. Dinge und Stoffe haben Neigungen. Diese sind bei-
17 Martin Scharfe( wie Anm. 14), 94.
18 Ebd.
19 Weiter geführt hat Martin Scharfe diese Überlegungen in seinem Innsbrucker Vortrag aus dem Jahr2007. Martin Scharfe: Kulturelle Materialität. In: Karl C. Berger, Ingo Schneider u. Margot Schindler( Hgg.): Erb.gut? Kulturelles Erbe in Wissenschaft und Gesellschaft.( Buchreihe der österr. Zeitschriftfür Volkskunde; N.S. Bd. 23. Wien 2009, 15-24.
20 Den Hinweis auf die Arbeit Soentgens verdanke ich meinem Kollegen Reinhard Bodner.
21 Jens Soentgen: Das Unscheinbare. Phänomenologische Beschreibungen von Stoffen, Dingen undfraktalen Gebilden. Berlin 1997. Die folgenden Seitenangaben beziehen sich allerdings auf eine vonSoengen 2011 online gestellte, leicht überarbeitete Version der Dissertation, abzurufen unter: opus.bibliothek.uni-augsburg.de/.../Soentgen_Das_Unscheinbare.pdf, hier: 3,( zuletzt eingesehen am18.03.2015). Siehe auch ders.: Stoffe und Dinge. http://opus.bibliothek.uni-augsburg.de/opus4/frontdoor/ index/ index/ docld/ 1543,( zuletzt eingesehen am 18.03.2015).
22 Soentgen selbst dürften diese Querverbindungen erst nach Fertigstellung seiner Dissertationbekannt geworden sein. Im Vorwort der 2011 als pdf online erschienenen zweiten Ausgabe seinerStudie betont er jedenfalls, dass er zu seiner Theorie der Agency von Dingen und Stoffen früher alsLatour und seine Kolleg_innen gelangt sei.„ Es freut mich besonders, dass ich einige Zeit, bevorin der„ Actor- Network- Theory" und in anderen Diskussionszusammenhängen von der..agency ofnonhuman actors" gesprochen wurde, genau diesen wichtigen Punkt in meiner Stofftheorie betontund analysiert habe:(...)"- Soentgen( wie Anm. 21).
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