lichen Christusleidens in den Kalvarienbergen seit der Barockzeit aufder anderen.
Doch nicht von dorther kam der stärkste Anstoß zum Krippenbauin Deutschland und in Italien. Den gaben vielmehr die Weihnachts-spiele der Kleriker in den Kirchen des Abendlandes Glossar ::: zum Glossareintrag Abendlandes. Betendes Volkwill schauen! Es läßt sich vom Geschauten leichter belehren und er-hebt sich am Geschauten wieder. Doch tat der Eifer solcher Bilder-und Spielprediger dem Strengen, der dem reinen Geiste zugewendetist und kindlich- diesseitiger Scheinwelt für seinen Weg zum Heiligennicht bedarf, gar leicht zuviel.
Ärgerlich schilt der gestrenge Chorherr Propst Gerhoch vonReichersberg im Innviertel im Jahre 1162 darüber, daß man inder Kirche die Wiege des Erlösers bildlich darstelle, daß man dasWeinen des Kindes, sein Umsorgen durch die Jungfrau Glossar ::: zum Glossareintrag Jungfrau und Gottes-mutter und noch manches mehr spiele 2). Doch sagt uns Gerhoch nur,was wir bald darauf auch aus Frankreich und Spanien erfahren. Über-all stellte man fürs ,, Dreikönigsspiel" eine Krippe ans Münstertor oderhinter den Altar. Zwei Kleriker mußten gewöhnlich als Maria undJoseph im lateinischen Spiel dazu knien.
Eindrucksvoller noch mag jene berühmte Weihnachtsfeierdes hl. Franz von Assisi gewesen sein, der im Jahre 1223 dieMenschen in den Wald von Greccio rief, um dort vor einerKrippe mit Heu, vor Ochs und Esel in der Weihenacht zu predigen.Durch Jahrhunderte blieb die Erinnerung an diese Waldweihnacht desseraphischen Heiligen lebendig, von der uns Thomas von Celano undBonaventura erzählen. Die geistigen Söhne des Heiligen von Assisi,die Franziskaner, Minoriten und Kapuziner wurden die beredtestenKrippenkünder. Sie blieben es auch später, als andere Orden ihre Sitteaufgriffen und in Kreise verpflanzten, zu denen die Bettelorden schwe-rer Zutritt fanden. Alles ist hier Stimmung: der Waldumgrund, dieKrippe und die lebenden Tiere, von denen in der Bibel noch mit kei-nem Worte die Rede war. Noch hatte der Heilige ihnen weder Eltern-paar oder Könige und Hirten im Bilde oder als Spieler gesellt. Unddoch ist hier schon ein Realismus vorweggenommen, auf den bald dar-auf die mehr und mehr aus liturgischer Strenge zur Buntheit volk-haften Mysterienspiels sich entfaltende theatralische Weihnachtsfeierdes Abendlandes Glossar ::: zum Glossareintrag Abendlandes hindrängte.
Ob es wohl damit zusammenhängt, daß man im Jahre 1252 imSt. Magnus- Stift zu Füssen im Allgäu ein„ ewiges Licht"für die Krippe stiftete? Wir wissen es nicht, wie sie ausgesehen hat.Denn erst aus dem späten 15. Jahrhundert sind uns die ältesten Krip-
2) Exhibent praeterea imaginaliter et salvatoris infantiae cunabula,parvuli vagitum, puerperae virginis matronalem habitum, stellae quasi flami-gerum, infantum necem, maternum Rachelis ploratum...". In der Schrift ,, Deinvestigatione Antichristi" von Gerhoch von Reichersberg, 1162( Archiv für Kunde österreichischer Geschichtsquellen, XX, Wien 1859, S. 130).Ähnlich heißt es in westeuropäischen Regieanweisungen zu liturgischen Weih-nachtsfeiern in den Kirchen:„ Praesepe paratum ad januas monasterii"( Orléans) oder„ retro altare"( Rouen). Vgl. Du Méril, Origines latines duthéâtre moderne. Paris 1849, S. 163, 147. Vgl. auch A. Schack, Geschichteder dramatischen Litteratur in Spanien, I. Bd., 1845, S. 147( Weihnachtsspieldes Pedro Suarez de Robles, 1561).
6