5. Entstehung von Partnerschaften
In seinem Aufsatz über Städtepartnerschaften stellt Ronald Lutz fest, daßder Impuls zur Verschwisterung in den meisten Fällen von staatlichen oderkommunalen Gremien bzw. Politikern ausgeht( Lutz 1988, S. 344). Bausin-ger verweist hingegen auf ein differenzierteres System, wobei sein Haupt-augenmerk den deutsch- französischen Partnerschaften gilt, die vor allem inden sechziger Jahren entstanden und eigenen Gesetzmäßigkeiten unterla-gen, d.h. meist in Zusammenhang mit den Ereignissen der beiden Weltkrie-ge, vor allem des zweiten, zu sehen sind( Bausinger 1969, passim). Ererwähnt als Initiatoren Kriegsheimkehrer und Kriegsgefangenenvereinigun-gen, andere Vereine, zufällige Bekanntschaften oder Gemeinsamkeiten,sogenannte ,, Kettenreaktionen“, d.h. das Nachahmen anderer Orte der näherenUmgebung, die Partnerschaften eingegangen sind, und schließlich die Anfragean offizielle Organisationen. Für die jüngste Zeit hat Bart Verbeke in seinerUntersuchung über flämische Partnerschaften darauf hingewiesen, daß zuneh-mend ,, Patenschaften" entstehen, deren Ziel und Zweck es ist, Gemeinden inder Dritten Welt Glossar ::: zum Glossareintrag Welt oder auch in Osteuropa zu unterstützen, d.h. eine symbolischePartnerschaft im Rahmen der Entwicklungshilfe einzugehen( Verbeke 1991).
Auch in meinem Fragebogen habe ich nach der Motivation für denAbschluß der Partnerschaft gefragt. Namensgleichheit, wie weiter obenbereits als mögliches Motiv erwähnt, scheidet bei den österreichisch- japa-nischen Partnerschaften natürlich aus. Meist ist der Wunsch nach einerVerschwisterung von Japan ausgegangen und über offizielle Vermittlung( Städte- bzw. Gemeindebund, Botschaft) an die betreffende österreichischeGemeinde herangetragen worden. Offiziell vermittelt wurden etwa die Part-nerschaften von St.Pölten/ Kurashiki, Bad Gastein/ Myoko Kogen, Saal-bach/ Biei, Neustift/ Kusatsu, Sölden/ Shiozawa, Kundl- Wörgl/ Suwa undWien- Floridsdorf/ Tokyo- Katsushika.
Persönliche Kontakte waren hingegen ausschlaggebend für Saalfel-den/ Rankoschi( Walter Niederreiter), Knittelfeld/ Kameoka( Dr. Adolf Halb-edel und Eizo Ito), Schladming/ Furano( Ing.Hubert Spiess), Lilienfeld/Joetsu( Dr. Osamu Nakano), St.Anton/ Nozawa Onsen( Hannes Schneider),Kitzbühel/ Yamagata( Toni Sailer, Ernst Hinterseer) und Wien- Döbling/Tokyo- Setagaya( Adolf Tiller und Josef Bohaczek).
In den meisten Fällen waren aber mehrere Motivationen gleichzeitigausschlaggebend, so daß eindeutig zu kategorisieren schwer fällt, wie späternoch ausgeführt werden soll. Auch wenn bei der Auswahl der Partnerge-meinde objektive Kriterien anfänglich eine wesentliche Rolle spielen kön-nen, so ist zu beobachten, daß sich Spontaneität und persönliche Freund-schaften nachträglich einstellen können( vgl. Bausinger 1969, S. 83).
Das wichtigste Moment für die österreichisch- japanischen Kontakte istzweifellos der Skisport. Daraus erklärt sich sowohl die starke Vertretung
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