6.2. Kommunale Kontakte
Kommunale Kontakte sind ein wesentlicher Bestandteil aller Ortspart-nerschaften. Das Eingehen einer Partnerschaft und ihre Pflege sind Teil despolitischen Alltags( vgl. auch Lutz 1988, S. 344). In der Verwaltung größe-rer Städte oder in den Bezirksämtern von Tokyo sind einige Abteilungen mitder Wahrnehmung internationaler Beziehungen betraut. In Taito- ku ist diesetwa die Planungsabteilung, in deren Rahmen vier Personen mit der Betreu-ung der bestehenden bzw. eventuell mit dem Aufbau neuer Partnerschaftenbeschäftigt sind. Die Strukturen, d.h. die personelle Ausstattung, in Japansind mit jenen Österreichs kaum zu vergleichen. So arbeiten etwa imRathaus des Tokyoter Bezirkes Taito- ku 2000 Angestellte. Solche personel-len aber auch finanziellen Ressourcen haben in Österreich kein Äquivalent,worin- abgesehen von der großen Entfernung und dem Sprachproblem-sicher ein weiterer Grund dafür liegt, daß einige der Partnerschaften auf eineim wesentlichen formale Ebene beschränkt bleiben. Das Büro der Bezirks-vorstehung im ersten Wiener Gemeindebezirk, des Schwesternbezirkes vonTaito- ku, teilte mir etwa mit, daß den Erwartungen der japanischen Partnervon österreichischer Seite oft nicht entsprochen werden kann, da die ökono-mischen Voraussetzungen und vielleicht auch das nötige explizite Interessenicht vorhanden sind. Die Partnerschaft zwischen Taito- ku und Manly inAustralien ist hingegen äußerst aktiv, was nicht zuletzt darauf zurückzuführenist, daß die Bürgermeisterin der australischen Stadt sehr an der Partnerschaftinteressiert ist und immer wieder die organisatorische Initiative ergreift.
Ähnliche ,, International Relations Offices" gibt es in jeder japanischenGemeindeverwaltung, und ihnen obliegen Partnerschaftsangelegenheiten,auch wenn es durchaus vorkommen kann, daß in diesen Abteilungen keinMitarbeiter einer Fremdsprache mächtig ist. Hieraus erklärt sich auch derspärliche Rücklauf meiner nach Japan gesandten Fragebögen. War nichtzufällig jemand vorhanden, der Deutsch oder Englisch spricht, wurde derBrief einfach abgelegt. Besonderes Glück hatte ich indes mit meinem Briefnach Taito- ku in Tokyo, da eine deutsche Japanologie- Studentin gerade eineinjähriges Praktikum in der Bezirksverwaltung Taitos absolvierte unddaher sowohl meinen Fragebogen beantworten als auch bei einem an-schließenden Gespräch dolmetschen konnte.
Die Ausgaben für offizielle Besuche in der Partnergemeinde werden inder Regel aus der Gemeindekasse bestritten; doch auch hier ergeben sichnatürlich Grenzen, will man nicht des allzu sorglosen Umgangs mit öffent-lichen Geldern geziehen werden.
Die offiziellen Delegationen bekommen meist ein Programm geboten,das gewissen Regeln unterliegt. Lutz bezeichnet dies treffend als ,, Staatsak-te mit touristischem Beiprogramm"( Lutz 1988, S. 346). Der Empfang durchden jeweiligen Bürgermeister ist einer der feststehenden Punkte, verbunden
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