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Konnichi wa Österreich : Ortspartnerschaften zwischen Österreich und Japan
Entstehung
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2. Kurzer Abriß der Geschichte der österreichisch- japanischen

Beziehungen

Nachdem sich Japan 1641 dem Ausland gegenüber vollständig abgeschottetund bereits 1637/38 seinen Einwohnern bei Androhung der Todesstrafe verbo-ten hatte, ins Ausland zu reisen, kam es erst zwei Jahrhunderte später zu einerneuerlichen vorsichtigen Öffnung. Noch 1825 wurde der Befehl erlassen, jedesausländische Schiff, das sich der japanischen Küste nähern sollte, zu zerstören.Erst 31 Jahre später, 1856, wurde dem ersten ausländischen Konsul, einemAmerikaner, die Einreise nach Japan gestattet, und bereits 1858 kam es zumAbschluß von Handelsverträgen mit den Vereinigten Staaten, Großbritannienund Frankreich. Diesem zögernden Beginn folgte nach der Machtübernahmedurch die Meiji- Regierung 1868 rasch eine völlige Hinwendung und Übernah-me europäischer Kultur, zu rasch, wie manche Europäer meinten:, Le Japonn'a pas assez confiance dans les moeurs du Japon; il fait trop vite table rased'une foule de coutumes, d'institutions, d'idées même qui faisaient sa force etson bonheur", konstatierte Emile Guimet 1880 in seinem Buch ,, Promenadesjaponaises: Tokyo- Nikko"( Omoto, Macouin 1990, S. 11).

Die junge Meiji- Regierung war jedoch nicht nur bestrebt, westlicheNeuerungen in Japan einzuführen, sondern auch Japan der okzidentalen Glossar ::: zum Glossareintrag  okzidentalenWelt in möglichst eindrucksvoller Form vorzustellen. Bereits 1867 hatteJapan an der Pariser Weltausstellung teilgenommen und damit den Beginneiner wahren Japan- Mode eingeleitet, die weitaus umfassender war als jenekurze Periode der ,, Chinoiserie" im 18. Jahrhundert.

Die österreichisch- ungarische Monarchie schloß 1869 einen schon längergeplanten Freundschafts-, Handels- und Schiffahrtsvertrag mit Japan ab, indem auch die Aufnahme diplomatischer Beziehungen beschlossen wurde.Damit waren die formalen Voraussetzungen für Handelsbeziehungen ge-schaffen und bald erreichten die ersten Produkte den österreichisch- ungari-schen Markt. 1873 fand in Wien eine weitere Weltausstellung statt, undwiederum war es Japan, seine Kunst und sein Handwerk, welche groẞesInteresse und überschwengliche Begeisterung hervorriefen. Etwa 200 Pro-dukte wurden bei dieser Ausstellung mit Preisen ausgezeichnet. In Wiengezeigte Ausstellungsstücke bildeten übrigens den Grundstock für das in derFolge erste Museum in Japan selbst. Der Japan- Pavillon gehörte zu denmeist besuchten Abteilungen auf der Wiener Weltausstellung. ,,(...) So hattedie Weltausstellung für alle Beteiligten fruchtbare Folgen. Die VertreterJapans, unter denen manche Fachleute sogar noch ein, zwei Jahre länger fürStudien oder weitere Fachausbildung in Österreich blieben, kehrten mitwertvollen Impulsen für die eigene Wirtschaft und Industrie in ihre Heimatzurück. Andererseits fanden, von Wien ausgehend, in verstärktem Maßejapanische Stilelemente Eingang ins Bewußtsein des Abendlandes Glossar ::: zum Glossareintrag  Abendlandes(...)."( Pantzer 1990, S. 13)

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