6. Manifestationen der Partnerschaft
Das Zustandekommen sowie das Bestehen einer Partnerschaft manife-stiert sich auf verschiedenen Ebenen. Der Abschluß des Vertrages, einFormalakt, wird schriftlich fixiert und das Dokument meist in feierlicherForm übersandt oder übergeben. Verschiedene Briefwechsel gehören ebensozu den Zeichensetzungen wie das Zeremoniell gegenseitiger Besuche, derAustausch von Geschenken, die Dokumentation des Verlaufes der Partner-schaft in eigenen Publikationen oder Zeitungsartikeln oder die Benennungöffentlicher Verkehrsflächen( Straßen, Brücken, Pisten).
Neben dem Besuch offizieller Delegationen in der Partnergemeinde ge-hören jedoch auch private Kontakte und Austauschprogramme vor allemvon Kindern und Jugendlichen zum Repertoire des Partnerschaftslebens.
Zeichensetzungen wie die Enthüllung von Gedenktafeln, aber auch offi-zielle Besuche sind eingebettet in ritualisierte Abläufe, wie sie auch beianderen vergleichbaren Ereignissen anzutreffen sind. Dazu gehören Anspra-chen und Ehrungen der Gäste ebenso wie künstlerische, meist musikalischeDarbietungen, Festessen, Trinksprüche u.ä.
6.1. Visuelle Zeichen
6.1.1. Geschenke
,, Die Gesellschaften haben in dem Maße Fortschritte gemacht, wie sieselbst, ihre Untergruppen und schließlich ihre Individuen fähig wurden, ihreBeziehungen zu festigen, zu geben, zu nehmen und zu erwidern. Zuerstmußten die Menschen es fertigbringen, die Speere niederzulegen. Dannkonnte es ihnen gelingen, Güter und Personen auszutauschen, und zwarnicht nur zwischen Clans, sondern zwischen Stämmen und Nationen undvor allem zwischen Individuen."( Mauss 1968, S. 181)
Der Austausch von Geschenken, dessen Genese hier angedeutet wird,findet nicht nur anläßlich der Unterzeichnung des Partnerschaftsabkom-mens statt, sondern bei jedem Besuch. Der Brauch des Schenkens ist in Japanan sich stark ausgeprägt und im Verhaltenskodex verankert. Ähnlich wieauch von österreichischer Seite werden bei offiziellen Gelegenheiten vor-nehmlich typische Volkskunst- bzw. Folklore- Produkte überreicht. Söldenetwa schenkte den Vertretern von Shiozawa Trachtenpuppen, Wurzelschnit-zereien und andere Schnitzwerke, während die Söldner Tanzkimonos, Pup-pen, eine Samurai- Rüstung und Porzellantassen erhielten. Auch im Zugemeiner Befragung wurden mir in jedem der besuchten Orte kleine Geschen-ke übergeben, typisch für das regionale Kunsthandwerk, oder auch Gegen-stände mit direktem Bezug zur Partnerschaft wie etwa ein T- Shirt mit dem
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