3. Zur Bedeutung von Ortspartnerschaften
Der Rat der Gemeinden Europas definiert kommunale Partnerschaften als,, vereinbarte Freundschaftsverhältnisse zwischen Städten, Gemeinden undKreisen verschiedener Nationalitäten, mit denen die ständige gastfreund-schaftliche Begegnung und Förderung ihrer Bürger dokumentiert und ga-rantiert wird. Sie dienen dem Ziel, durch gegenseitige Verständigung undHilfe das wache Gefühl der(...) Zusammengehörigkeit zu stärken unddadurch sowohl das Leben der beteiligten Menschen und ihrer Gemeindenzu bereichern, als auch die notwendige Gemeinsamkeit der Anschauungenfür eine(...) Einheit zu schaffen"( Rat der Gemeinden Europas 1975, S. 6;zit. nach: Maier, Troeger- Weiss 1990, S. 317).
Der Rat der Gemeinden und Regionen Europas wird als der ,, Erfinder"der Städtepartnerschaften angesehen. In einem Aufsatz beschäftigt sichUmberto Serafini mit der Geschichte der Städtepartnerschaften. Er schreibt:,, Die erste Phase der Geschichte der Städtepartnerschaften weist zwei we-sentliche Merkmale auf: a) die Versöhnung zwischen den Europäern miteiner demokratischen Regierungsform, bei den französisch- deutschen ange-fangen(...); b) die stillschweigende Voraussetzung einer europäischen Ein-heit, die nicht hauptsächlich von Handelsbesorgnissen erniedrigt wird, son-dern ein Europa der Staaten, die sich alle von den Fehlern und von denSchulden der Vergangenheit loskaufen und eben die Vereinigten StaatenEuropas gründen wollen.(...) Die zweite Phase der Geschichte der Städte-partnerschaft weist auch zwei Merkmale auf. Eines ist ziemlich negativ. DieStädtepartnerschaften unterliegen einer beträchtlichen Inflation, verlierenmanchmal einen Teil ihres feierlichen Aspektes, sind oft Gelegenheiten zuReisen sogar interessanten Reisen, die aber nur für eine kleine Elite vonVerwaltern lehrreich sind(...) und ziehen die entferntesten nichteuropäi-schen Länder in Betracht. Die geringfügigsten Gelegenheiten sind oft Anlaẞzu Städtepartnerschaften(...)."( Serafini 1987, S. 4ff.)
Ortspartnerschaften, wie wir sie heute verstehen, sind demnach eineSetzung der Nachkriegsjahre. Auch Bausinger weist darauf hin, daß Paral-lelen zu früheren Beziehungen, die ähnlich erscheinen mögen, nicht imSinne einer Kontinuität des Phänomens zu sehen sind( Bausinger 1969,S. 81). Nun stehen nicht mehr wie in früheren Epochen dynastische oderklerikale Verbindungen im Vordergrund, betont wird vielmehr die Einbezie-hung des Individuums, auch wenn dies in der Realität außer bei der Verbin-dung sehr kleiner Gemeinden wohl nicht durchführbar ist.
,, Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde in Amerika der Ruf nach, Der Rettungdes zerstörten Europas'(!) laut. Verschiedene Städte, die in Amerika irgend-welche verwandtschaftlichen Beziehungen hatten, schlossen Freundschafts-bünde ab und die Bürger der Schwesternstädte versuchten zu helfen. So beganndiese Bewegung“ führte Hikoo Shiobara, Sekretär des Bürgermeisteramtes von
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