1896 ist der Japonismus in Wien beim gebildeten Bürgertum ,, in", wieeine Skizze von Peter Altenberg, dem detailgenauen Schilderer der WienerBourgeoisie, beweist: ,,(...) Auf dem rostfarbigen seidenen Sofa saß diejunge Frau des Hauses. Sie hatte eine japanische Frisur mit drei goldenenKugeln, schöne schmale Augenbrauen und feine weiße Hände.(...) In einemweiten japanischen Strohkorbe lagen Marons glacés, feucht glänzend, inkleinen Badewannen aus weißem geripptem Papier.(...) Der junge Mannsagte:,(...) Auch der Mensch ist ein Künstler, sollte es sein- ein, Lebens-Künstler! Die Japaner malen einen Blütenzweig, und es ist der ganzeFrühling. Bei uns malen sie den ganzen Frühling, und es ist kaum einBlütenzweig. Weise Ökonomie ist alles!""( Altenberg 1968, S. 29, 32)
1880 wurde in Japan die österreichisch- ungarische Gesandtschaft eröff-net, wo ab 1892 Heinrich Graf Coudenhove- Kalergi als Diplomat wirkte.Neben der offiziellen Pflege der Beziehungen zwischen Österreich- Ungarnund Japan fand er übrigens auch privates Glück im Land der aufgehendenSonne, als er die junge Japanerin Mitsuko Aoyama zur Frau nahm. 1907wurde die Gesandtschaft zur Botschaft erweitert, und Japan gehörte vor1914 zu den neun Staaten, die einen Botschafter am Hof Kaiser FranzJosephs akkreditiert hatten( Magerl 1990, S. 20).
Knapp vor der Jahrhundertwende, 1893, besuchte ein Mitglied des Kai-serhauses, der Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand, auf seiner Weltreiseauch Japan und trug während eines zweimonatigen Aufenthaltes einegroßartige Sammlung zusammen, die heute einen wertvollen Bestand desMuseums für Völkerkunde in Wien bildet( Arco- Zinneburg 1993).
Eine weitere große Ausstellung im Jahre 1900 in der Wiener Secessionbrachte den endgültigen Durchbruch. ,, Der„ Japonismus', wie man dieSumme unterschiedlichster japanischer Stileinflüsse nannte, hielt Einzug inabendländisches Glossar ::: zum Glossareintrag abendländisches Schaffen und Kunstempfinden.(...), Japonismus' war mehrals die Umsetzung ästhetischer Gefühle in Werken der Kunst, er war vorallem auch ein geistesgeschichtliches Phänomen. Japonismus im weitestenSinne begegnet uns in nahezu jeder Stube, als exotisches Glossar ::: zum Glossareintrag exotisches Gewürz, das ausunglaublich vielen Bereichen des häuslichen und gesellschaftlichen Lebensnicht wegzudenken war, von Zucker- und Teeblechdosen, die Geishas zier-ten(...), von Ballroben à la Kimono bis Bildpostkarten mit blonden, Musu-mes(...)."( Pantzer 1990, S. 9f.)
Um diese Ballkimonos tragen zu können, mußten die passenden Gelegen-heiten geschaffen werden. Die zu ihrer Zeit und auch heute noch berühmteFürstin Pauline Metternich war es einmal mehr, die sich als großartigeVeranstalterin ,, zeitgeistiger" Feste bewies. An drei Maitagen des Jahres1901 lud sie zu einem ,, Japanischen Kirschblütenfest" in den Wiener Prater.Mehr als 50.000 Besucher pro Tag sollen sich an Pavillons, Teehäusern,Pagoden und Gärten im japanischen Stil erfreut haben- beinahe ist man anEreignisse wie das Stadt- oder Donauinselfest erinnert! Im Jänner 1907
10