UuAnufoltungsblatt dnu
DA3
Nr. 489-490 20. Oktober 1934
Wochenend
Man soll nicht glauben, daß deshalb, weil alles schondagewesen ist, sich alles auch schon einmal ereignet hat.Die Ereignisse wechseln, die Vorgänge aber sind so oder somit Bestimmtheit schon einmal dagewesen. Das Del inder Kohle und der Zucker im Holz, diese beiden geheimenVerbindungen, sind immer schon dagewesen, unsere Vor-fahren aber verbrannten Kohle und Holz, und dann zogensie aus nach Del und Zucker. Wir heute machen es um-gekehrt. Wir behalten den Zucker und schmeißen das Holzweg, und wir suchen den Wert der Kohle nicht im Ver-brennen, sondern in ihrer Verflüssigung. Das Gemeinsameist, daß heute wie gestern mit Wasser gekocht wird, undzwar auf Feuer.
An Gerüchten leiden wir keinen Mangel. Schon vorhundert Jahren behaupteten das unsere Urgroßväter, undsie druckten es in ihrer Zeitung. Die Tatsachen, die demzugrunde lagen, unterscheiden sich von den heutigen zwardurch ihr Kostüm, in ihrer Nacktheit aber sind sie nicht allzuabsonderlich. Auch damals hatten die Gerüchte eine Vor-liebe an sich: sie flogen. Sie flogen, wie alles fliegt, nämlichvon Blume zu Blume( dies hauptsächlich am Stammtisch),oder von Mund zu Mund( dies wesentlich unterstützt durchVerliebtheit). Sie flogen über Dörfer und durch Europa,und manchmal flogen sie auch am Hals oder am Fuß vonBrieftauben. Von überall aber, wo sich etwas ereignet hatte,gingen sie aus. Das Hauptgerücht damals hieß Cholera.Ob unter spanischen Aufständischen, die sich damals Car-listen nannten, ob unter Matrosen auf englischen Kriegs-schiffen, ob in Bilbao oder in einem pommerschen Dorf,stets flog neben der Nachricht getreulich das Choleragerüchteinher.
Wir heute freilich machen's wie mit der Kohle. Wirbooten die Cholera aus, nicht aber die Infektionen, undseien es auch Infektionen geistiger Art. Die Ereignisseschweben in der Wolke des Gerüchts, und die Begleit-umstände projizieren wir gern als Wochenschau auf dieLeinwand. Aber auch hier muß Dunkelheit herrschen, da-mit sich das Leben in Licht verwandelt.
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Zweierlei wird hierfür aus der Perspektive von hundertJahren bemerkenswert sein.
In Paris, an der Pariser Börse, spekulierte damalsein Spanier. In Spanien, wie gesagt, war Aufruhr-stimmung, es ging so zu, wie hundert Jahre später, undbald war die eine Partei obenauf, bald die andere. Dasmag man in der Geschichte nachlesen. An der PariserBörse jedoch lebte man von Gerüchten, und das hatte zurFolge, daß die Papiere gleichfalls bald oben, bald untenlagen, und daß die Kurse fielen und stiegen, bis endlichirgendein Kurier erschien, der das Ereignis haargenau be-richtete. Daraufhin beruhigten sich auch die Kurse wieder.Die Begleitumstände aber drückten sich insofern aus, alsjedesmal die einen viel Geld dabei verloren und die andern- es nicht gewannen. Gewonnen hat damals fast nur be-sagter Spanier.
Natürlich fehlte es nicht an Gerüchten. Zu den Ge-rüchten, die herrenlos herumliefen und die im wesentlichenSpanien betrafen, gesellte sich noch das Hauptgericht hinzu,das den einen einzigen Spanier betraf und sein aussehen-erregendes Spekulationsglück. Was stat dahinter? Wiewar das möglich? Es zeigte sich, daß der Spanier glänzen-der informiert war als alle, und daß er von keinerlei Neben-geräusch zu beeinflussen war. Mit Glück allein war es nichterklärt. Daher verfolgte man ihn, und schließlich entrißman ihm sein Geheimnis.
reift und gedeiht, ob auch in Bamberg vor hundert IJahren die Metzger streiften, weil das Pfund Rindfleischeiner vom Magistrat zudiktierten Fleischsteuer zufolge umeinen Pfennig verteuert wurde. In der Natur wie bei denMenschen ist alles schon dagewesen. Ja erst ist es da, danngedeiht es.
Wie glänzend fiel doch vor hundert Jahren die Wein-ernte aus! Seit Jahren nicht war solche Ueppigkeit da.Und während den Winzern sonst größte Sorgen erwuchsen,weil Mißwuchs und Dürftigkeit herrschten, Ueberschwem-mung und Hagel, sind sie angesichts des 1834ers in Sorgen,ihre Keller und Fässer könnten's nicht fassen. Am Rhein,an der Mosel und Nahe herrscht Hochbetrieb. Ja, an derAhr hat man das Fest der Weinlese verbunden mit einemtechnischen Meisterstück: einem Bergdurchbruch. Dort ström-
ten die Menschen doppelt erquickt und doppelt so stolz. Siebewunderten die allen sichtbare Fülle der Natur, und siestaunten vor der täglich wachsenden Fortschrittskunst ihrerStraßenbauer und Ingenieure.
So stieg vor hundert Jahren der Geist aus der Naturdurch die Blume des Weins. Manch einen umnebelte es.Dann sah er wahrscheinlich lauter Wachspuppen vor sich,mit blutgetränkten Kleidern behängt, oder er sah einerBrieftaube nach, die gen Spanien flog und ihm Reich-tümer verhieß. Nach dem zehnten Schoppen hält man allesfür möglich. Tausendgestaltig tanzen dann die Gerüchte,und alles, was sich ereignen könnte, hat sich bereits ereignet.( Was aber sagt man dazu, daß schon vor hundert Jahrendas Gerücht vom Plan einer ,, europäischen Entwaffnung"ging?)Balthaser Fiedelholz
Der zweite Wessely- Film
,, So endete eine Liebe".
Nein, so endet unsere Liebe noch lange nicht, soschnell lassen wir uns nicht abbringen wenn wir auchein bißchen enttäuscht wurden durch diesen zweitenWessely- Film. Wir sind eben von der Masterade" zusehr verwöhnt worden, und nun erwarten wir mehr dergleichen, nun sind wir anspruchsvoll geworden. Das istder Fluch der guten Tat.
man
Die Hersteller des neuen Gine- Allianz- Film Soendete eine Liebe" hatten also von vornherein einenschweren Stand. Große Erwartung tann leicht in großeEnttäuschung umschlagen. Und sie haben sich wirklich an-gestrengt, das muß man ihnen lassen. Trotzdemwird nicht warm bei der Sache, geht nicht recht mit. Nachder ,, Maskerade", in der die Menschen die Filmmastefallen ließen, so daß sich der Film als Kunstwert entpuppte, gab es jetzt eine Art historischen Maskenfestes,und die geschichtlichen Kostüme und Kulissen lassen dieMenschen nicht recht zu sich selber kommen. Die kühlediplomatische Luft um Metternich verbreitet sich über denganzen Film, so daß auch unsere Gefühle flamm werden.
Es zeigt sich hier wieder, daß es eine gefährliche Sacheift, Geschichte für einen Spielfilm zurechtstuben zu wollen.Historie tann man nicht abphotographieren. Sie wirktsich hinter den Erscheinungen aus, ihre Fäden bleibenunsichtbar. Und Elio ist eine empfindliche Dame, sie hatetwas gegen die Kamera, und macht gerne mit ihremGriffel allzu eifrigen Geschichtsreportern einen dickenStrich durch die Rechnung.
Nur Mnschen mit dichterischer und seherischer Kraftfann es gelingen, das wahre Gesicht der Geschichte zu be-schwören: im Drama zuweilen, im Film ganz, ganz felten.Denn das aufdringliche Kameraauge bleibt gar zu gernan der Oberfläche fleben, am bunten Drum und Dran,und der geistige Raum, in dem sich die wesentlichen Dingeabspielen, bleibt im meistens verschlossen. Und so wirdes entweder eine höchst private Liebesgeschichte in histo-rischer Verkleidung oder aber eine geschichtliche Kostüm-schau. Der Regisseur und Drehbuchverfasser, Karl Hartl,gibt sich alle Mühe, diese Klippen zu vermeiden, frotzdemgerät er von der einen Gefahr in die andere. Auch wennman noch so eifrig die Gesichter der Schauspieler in langenGroßaufnahmen abtastet und noch so getreu historischeSchicksal lebendig. Es fehlt den Schauspielern an Atem-Umwelt beschwört, wird noch nicht Geschichte wach undraum. Sie können sich nicht frei entwickeln und ihr Wesenso entfalten, daß wir davon ergriffen werden. Sie steckenin historischen Gewändern und gehen darin mit gutemAnstand, aber doch ein wenig gespreizt und fremd ihrenvorbestimmten Weg. Die guten schauspielerischen Leistungenbollziehen sich gewissermaßen im luftleeren Raum undlösen beim Zuschauer wohl Achtung, aber nicht Ergriffen-
„ Die deutsche Revolutioneine Gewissensmahnungfür das englische Volk"
Ufa Balast am 300
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heit aus. Hartl hält sich zu sehr an äußere Mittel, die erzuweilen überspißt. Das minutenlange, um einer billigenSchlußpointe willen allzu aufdringlich abgekurbelte Tischgebet schien selbst die Vorsehung übelzunehmen, denn un-mittelbar danach setzte plötzlich der Ton aus, und es mußteeine kurze Pause eintreten.
Der Film bemüht sich das Schicksal der österreichischenKaiserstochter Marie- Luise wiederzuspiegeln, die auspolitischen Erwägungen heraus von Metternich an Napoleonverkuppelt wurde. Daß er dabei die historischen Tatsachenetwas verdreht und die Charaktere ummodelt, ist nicht sowichtig, denn man muß einem Spielfilm auch ein wenigSpielraum lassen. Die wirkliche Marie- Luise hat sich zu-nächst( solange Napoleons Stern glänzte) ja nur allzu bereitwillig mit der Rolle der französischen Kaiserin abge-funden und ihr Baiserlicher Vater Franz besaß in Wirklich-feit durchaus nicht so ein weiches Vaterherz, wie es imFilm sehr rührend dargestellt wird. Treitschke spricht inseiner temperamentvollen Art sogar von der schamlosenHerzenstälte des Vaters und wirft der Tochter Marie- Luisevor, daß sie durch flachen Leichtsinn und unwürdigeSchmeichelei den Franzosen gegenüber, daß österreichischeKaiserhaus geschändet habe.
Der Film sieht die Dinge anders, denn er möchte einerührende Liebesgeschichte mit heroischer Entsagung gebenund wenn ihm das wirklich überzeugend gelungen wäre,wenn er damit wirklich eine Handlung beschworen hätte,welche die Menschen packt und bewegt, dann würde manihm gern die ,, filmischen Freiheiten" zugestehen. Aber erläßt eben falt, troß der hervorragenden schauspielerischenLeistung der drei Hauptdarsteller.
Paula Wessely hat wieder sehr feine Momente,aber der Regisseur wertet sie nicht aus, die Kamera springtzuviel hin und her und die Gefühle können nicht ausreifen.Gründgens spielt den Metternich. Er duftet als derAdonis der politischen Salons" so heftig aus all denseidenen Knopflöchern nach diplomatischer Rancune, daßman eigentlich nicht recht versteht, wie sich trotzdem alleahnungslos von ihm einwickeln ließen. Aber immerhin,er zeigt eine in sich geschlossene Leistung, er ist ein poli-tischer Rattenfänger von Wien von Format. Willy For st,der Regisseur der ,, Maskerade", zeigt in seiner ersten ernst-haften Rolle als Herzog von Modena, daß er auch einfultivierter Schauspieler ist, der fein und verhalten seineLiebe zu Marie Louise enden läßt aus Gründen derStaatsräson.
Das durch die ,, Maskerade" verwöhnte, anspruchsvollgewordene Publikum spendete diesem Maskenspiel inhistorischen Uniformen etwas enttäuschten Beifall, derweniger dem Film als den schauspielerischen Leistungengalt.
W. Fiedler
Der Sperling in der Hand ist besser als die Taube aufdem Dach, so sagt man. Gewiß ist das richtig; falsch aberwäre, sich ewig damit zu begnügen. Der Spanier jedenfallshatte die Taube in der Hand, das war sein Vorteil, und daes überdies die beste, vorzüglichste Brieftaube war, ließ ersie fliegen. So kam es, daß zwischen Spanien und ihm diebeste Verständigung herrschte, und daß er, allen Gerüchtenzum Troß, ja im Nebel der Gerüchte, das Ausschlag-gebende, den besten Tip, traf. Seine glückliche Hand warzwar eine geheimnisvolle, aber andererseits nicht so ge- Rolf Gardiner in der Deutschen Hochschule Italien genau so. Nur in Deutschland herrsche in
heimnisvoll, wie das Gerücht sie sah, denn über demGanzen schwebte die Taube.
Fliegt nicht in allem, was uns berührt, diese Taube?Manchmal bringt sie das Glück, manchmal den Delzweig.Und nur die Gerüchtemacher behaupten, es donnert, bloßweil die Taube einmal gegurrt hat.
für Politif
Jedesmal wenn Rolf Gardiner, sei es zuSemesteransang oder schluß aus England herüber-tommt, um uns über die neuen und alten Strömungendes kulturellen und politischen Lebens infeinem Vaterlande zu unterrichten, findet er eine ebenso
schulen. So sei der englische Fascismus nichts weiter alsdie Summe folgender Faktoren:„ Ein bißchen UnionJack plus Schwarzhemden( Fascismus) plus Fußball-masse plus Windhundwettrennindustrie." Bezeichnendaber für alle diese Bewegungen sei, daß sie durch Maß-nahmen und Programme das Wohl des Voltes fördernwollen und auf typisch englische Weise in dieser reinMitethisch- willensmäßigen Haltung stecken bleiben.anderen Vorzeichen sei das schließlich in Rußland undWillens dasErneuerungsbewegung statt desSchicksalim menschlichen Bewußtsein, also etwas Ueber-irdisches", durch das die Menschen verwandelt und inDienst genommen werden.
der
In die Nähe solcher aus religiöser Wurzel gespeistenErneuerungsbewegung rückte Gardiner zwei jüngere poli-tische Gruppen Englands, die sich bündisch sammeln. In
E. G. Kolbenheter:„ Gregor und Heinrich"
Uraufführung im SchauspielhausHannover
Hannover, 19. 10.Wenn der Kampfruf:„ Nach Canossa gehn wir nicht!"sich gegen aufgezwungene Demütigungen richtete, sieht dieneuere Geschichtsauffassung in Heinrichs IV. Bußgang zudem großen päpstlichen Gegenspieler einen Schachzug vonpolitischer Klugheit. Durch ihn erzwang der deutscheKönig die Lösung vom Bann, der ihm seine Herzöge zuentfremden drohte, und durch ihn verhinderte er GregorsAbsicht, in Deutschland persönlich als Diktator einzureisen.Freilich konnte er nicht erreichen, daß Gregor ihm nichtdoch Bedingungen stellte, die ihn in Abhängigkeit von derKirche halten sollten. Der Streit zwischen Kaiser undPapst, zwischen weltlicher und geistlicher Macht ist imMittelalter nicht entschieden worden, er lief sich tot undflammte doch wieder in neuen Formen auf, und es bleibtdie Mahnung der Geschichte, daß es zwischen den großenPolaritäten der Kultur auf Erden keine höchste richterlicheEntscheidung gibt, und daß Menschheit nur in selbst-gewählten Beschränkungen Dasein gestalten kann.
Kolbenheyers neues Drama polarisiert den geschicht-lichen Gegensatz zwischen der deutschen Nation und denübernationalen Ansprüchen Roms mit dieser allgemeinstenFragestellung. Ausdrücklich unterscheidet sein Gregorzwischen seinem nebensächlichen Kampf gegen Franzosen,Engländer, Normannen und dem um Deutschland, dasRoma Bau begründet:„ Dort fließt aus dem Born einerbarbarischen Glossar ::: zum Glossareintrag barbarischen Jugend die neue Menschheit", aus der dieKirche sich immer erneuen muß. Wenn aber Heinrich amSchlusse sagt: ,, Das Reich Christi hat Seel und Leib, seiHerr und Hort der Seel, Bischof von Rom, und laß demKönig, was des Königs ist", so meint der Dichter damitauch nicht die heute geläufige Trennung von Politik undReligion: tatsächlich haben Gregor wie Heinrich ein Amt,das nur politisch zu führen ist, aber Heinrich beseelt seinePolitik, Gregor entseelt sie. So geht der Streit um Lebenund Form, um blutvolle Idee und starre Ideologie, undsein Ort wäre diesseits wie jenseits der Alpen, ja inner-halb einer und derselben Gemeinschaft möglich, wenn ernicht eben doch und damals geschichtlich notwendig ge=wesen wäre.
Gregor ringt um das Recht seiner Macht mit sichselbst, aber trotz mancher großen Züge in der doktrinärenEnge des Niedriggeborenen, dem das eigene Jch mit seinerIdee verfließt. Und wenn er von seiner Idee derirdischen Stellvertretung Christi bis zum Visionären be-sessen ist, so verweist er diesen Christus nur zu gern aufseinen Platz im Himmel, um selbst durch den Schlamm derirdischen Politik zu schreiten; die Lösung leiblicher Eidewird seine furchtbarste Waffe. Heinrich ist der adligeTriebmensch, der, in Straucheln und Enttäuschungenwachsend, immer tiefer von der Aufgabe ergriffen wird,die göttliche Idee des Reichs zu verkörpern und dessenpolitischen Bußgang zu einer innerlichen, religiösenReinigung wird, und der zu unterscheiden lernt, daß seinMenschtum in ihm liegt und doch außer ihm ist. DieTragik Gregors liegt in der Hilflosigkeit des Mächtigenvor sich selbst. Hingegen ist Heinrichs Tragit die Frucht-losigkeit seines Strebens.
Kolbenheyer ist hier über seine letzten Dramenweit hinausgewachsen, die Gegenwartsmenschen allzutasuistisch gegeneinanderstellten; mehr auch als die,, Heroischen Leidenschaften" tritt dieses Drama seinerepischen Kunst ebenbürtig zur Seite. Freilich ver-leugnet sich der Epiker nicht in vielen figurenreichenEpisoden. Und so groß er mit dem Ausblick in die Tragikder Geschichte schließt, so bedächtig läßt er die ersten Akteablaufen. Der erste zeigt die Seele der Masse bei derPapstwahl, der zweite den Sieg über die Sachsen, denHeinrich nicht gegen den Papst auswerten darf, weil ihndie allzudeutsche Kleinlichkeit der Herzöge hindert.
Und doch steigt das Drama mit der Wucht seines Vor-wurfs und der Eindringlichkeit seiner Sprache, die ge-lockerter ist, als die der Heroischen Leidenschaften", wieein Fels aus vielen Wasserfluten auf. Wie seit Jahr-zehnten kein deutscher Dichter der Geschichte so hart insAuge geschaut hat, werden auch heute nicht viele rein Geschichtliches so rein geschichtlich gestalten können.
Und diese Geschichte schreitet mächtig und leiden-schaftsträchtig in vielen kurzen Szenen durch geschlossene,mittelalterlich trüb erleuchtete Zelte, Hallen, Kammern,Kemenaten. Die Aufführung erfordert höchste Anstren-gungen und hatte unter der Regie von Alfons Pape einim ganzen großes Gelingen. Theodor Becker als Gregorbrachte mit fluger Beherrschung eines vulkanischen Temperaments eine durchgearbeitete Verbindung von Würde,Härte und Verzücktheit, während der jüngst verpflichtete