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Hüte dich, mein Pferd schlägt dich!

o lautet das 55. Stück der von Martin Luther aufgezeichnetenSprichwörtersammlung, und nur wenige werden sein, die sich nicht,wenn sie diese sechs Worte lesen, verwundert die Frage vorlegen,warum Luther so etwas durchaus Alltägliches, Plattes einer Nieder-schrift für wert gefunden hat; denn der Herausgeber von Luthers Sprich-wörtern Ernst Thiele, der zur Erklärung einige Stellen aus WandersLexikon heranzieht, weiß nichts beizubringen, was auf den Sinn desImperativs und seiner Begründung schließen lassen könnte( Luthers Sprich-wörtersammlung, Weimar, 1900, 60 und Luthers Werke, Weimarer Aus-gabe, LI, 671): er umschreibt einfach: Komme mir nicht zu nahe( auchnicht von hinten!), es kann dir gefährlich werden, auch wenn ich mich nichtrühre", und diese Umschreibung wiederholt Friedrich Seiler, Deutsche Sprich-wörterkunde, München, 1922, 119 ohne irgendeine Bemerkung.

Ebenso wie bei Luther erscheint das Sprichwort Hutte dich, meyn Phfertschlet dich in einer Reihe schlesischer Proverbiensammlungen des fünfzehntenJahrhunderts, die die Sprichwörter durch Predigten deuten( J. Klapper,Die Sprichwörter der Freidankpredigten, Breslau, 1927, 38, 12); aberauch hier sind die Erklärungen ,, So sagen die Mächtigen, wenn sie jemanddrohen wollen, dessen sie geschont haben und So pflegen die Herrn zusagen, wenn sie eines, der ihnen etwas zuwider getan hat, geschont haben"weit entfernt, dem Verständnis zu dienen oder gar ein Verständnis zuerschließen.

Nun enthält ein Münchener Manuskript von Luthers Tischreden,geschrieben, oder, besser, abgeschrieben um 1550 von dem Geistlichen GeorgSteinert oder Steinhart, nicht nur das Sprichwort, sondern glücklicherweiseauch eine Entstehungsgeschichte; daraus ist das Stück 1919, also fünfJahre nach Erscheinen des LI. Bandes von Luthers Werken, in derWeimarer Ausgabe der Tischreden Luthers abgedruckt worden( V, 319, 5683). Es war aber schon lange vorher gedruckt, nämlich, fast work-wörtlich gleich, als die 278. der von Ulrich Wendenhaimer nach VorlesungenMelanthons aufgezeichneten Geschichten( Melanthon, Opera, XX, 601),und daß sein Urheber eher Melanthon als Luther ist, geht aus der Tat-sache hervor, daß es ebenfalls als Diktum Melanthons auch in einerandern Sammlung steht, erhalten in einer Wolfenbütteler Handschrift, die

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