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Das Totbeten.

In Hans Wahliks Roman Der Alp fordert ein halbirrer Bauer denihm verhaßten Pfarrer auf, jeden Sonntag ,, auf eine bestimmteMeinung" ein Gebet zu verrichten, und das tut der Pfarrerahnungslos etliche Jahre lang. Schließlich erschlägt der Bauer denPfarrer, aber vorher kommt es noch zwischen den zweien zu einer Aus-sprache:

Des Bauers Augen flackerten tief in dem grauen Gesicht wie Felsen-essen, und ein wirres Lächeln umspielte den entstellten Mund, als er sagte:,, Wenn dein Gebet Kraft hätt, so wärst du längst schon hin, Pfarrer. Ichhab dich um deinen eigenen Tod beten lassen!" Ein wildes Licht stieg indem Priester auf, er wußte von dem Wahn, der in den finstern Tiefen desVolkes gärt, man könne durch unablässiges Gebet einen Menschen insSterben bringen. Und hier hätte sich der Beter vor Gottes Hochalkar selbertofflehen sollen.

Das ist ein Beispiel, in der schönen Literatur vielleicht das einzige, fürdas Mortbeten oder Totbeten, jene seltsame übung, die in ihrem letztenGrunde auf dem tiefinnigen Vertrauen in die Kraft des Gebetes beruht.Glaube beschleußt den Willen, sagt Parazelsus, und so ist es dem glaubens-starken Willen möglich, durch seinen Gott Dinge zu erwirken, die derUnglaube nie zuwege bringen kann. Daß dabei das Gebet identisch ist mitdem Fluche, tut nichts zur Sache; der Fluch der Mutter, der den Kinderndie Häuser niederreißt, ist ja ebenso ein Gebet, wie der aufbauende Segendes Vaters. Sachte, unmerklich geht hier Glaube in Aberglauben über;Frömmigkeit und Gotteslästerung verschwimmen in eins. Wir werden imFolgenden eine Reihe von Zeugnissen für diesen Gebrauch des Totbetensoder fortgesetzten Totfluchens kennen lernen, aber vorweg sei gesagt, daßbei aller Mißbilligung nie der doch so selbstverständlich erscheinende Ge-danke ausgesprochen wird, ein solches Fluchgebet könne nie in Erfüllunggehen, da Gott nur die mit reinen Herzen gesprochenen, auf gute Zweckegerichteten Gebete erhöre; es ist vielleicht das merkwürdigste an der ganzenGeschichte des Totbetens, daß auch erlauchte Geister kaum an der Möglich-keit, ja an der Wahrscheinlichkeit seiner Wirksamkeit zweifelten.

Als älteste Belege für Mortbeten, Mortbeter, Mortbetrinne führtLeger( I, 2205) Stellen aus den Predigten Bertholds von Regensburg an,

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