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Der säugende Finger.

nter den vielen Varianten, die es zu dem Märchen von demDornröschen gibt, weichen zwei durch ihr Alter ehrwürdige indem Gange der Handlung wesentlich von dem Typus ab. DieEinleitung ist die gleiche wie sonst die Prinzessin sticht sich,kraft einer Verwünschung, eine Flachsgräte in den Finger und fällt in denZauberschlaf; Entwicklung und Lösung aber des Märchens gehen eigeneWege. In beiden Fassungen wohnt der Schlafenden ein Jüngling bei, ohnedaß sie erwachte, und sie wird von ihm schwanger. In der einen Erzählung,die in dem im vierzehnten Jahrhundert verfaßten Roman Perceforest steht,beginnt der Knabe, den sie nach neun Monaten, noch immer schlafend,gebiert, an ihrem Finger zu saugen und holt so die Gräte heraus, und sieerwacht; in dem Märchen Giambattista Basiles hingegen, das erstmalig1636 gedruckt worden ist, sind es Zwillinge, die, als sie einmal die Mutter-brust, an die sie von Feen gelegt worden sind, nicht finden können, dieFinger fassen und daran saugen, bis durch die Entfernung der Gräten derZauberschlaf endet. Natürlich gibt es auch, bei der ungeheuern Verbreitungvon Basiles Werk, volkstümliche Formen des Märchens( s. Bolte- Polívka,I, 436 f., 438), und eine Nebenform ist bis in die türkischen Länder gelangt,wo sie in die Sammlung Billur- Köschk Aufnahme gefunden hat( Menzel,Türkische Märchen, I, Hannover, 1923, 78 f.): Als der Truhendeckel auf-gehoben worden ist, sieht man darin ein Mädchen liegen, schön wie derVollmond, und neben ihr ein wunderschönes, goldlockiges Kind, das ihranstatt an der Brust an dem Finger saugt.

Diese Substituierung der säugenden Brust durch den säugenden Fingerist nun ein uraltes Motiv, wenn nicht des Märchens, so doch der Legendeoder der Sage, das natürlich nur dann statthaben kann, wenn der Mutterdie Erfüllung ihrer selbstverständlichen Funktion unmöglich ist; währendes aber in den besprochenen Märchen der Bruder des Todes ist, der siedaran hindert, handeln Legende und Sage stets von ausgesetzten Kindern,und alle diese Geschichten gehören in den großen Komplex, der durch dasMotiv des oder der auf außergewöhnliche Art am Leben erhaltenen Heldengekennzeichnet ist. So findet sich in dem King ji siang, einem imJahre 516 unserer Zeitrechnung gemachten chinesischen Auszug indischerbuddhistischer Bücher, folgende Erzählung( Chavannes, III, 215): Eine

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