16. Kapitel
Ein Stück Heimat
Per Schreiben wurden im September 2.333 öster-reichische Gemeinden( einschließlich der 15 Städte mit eige-nem Statut, 158 Stadt- und 676 Marktgemeinden) aufgefor-dert, ihren Beitrag zur Ausstellung„ Schönes Österreich" zuleisten. Erbeten war„ Typisches“: ein lokales Symbol, am OrtAlltägliches eben ein Stück Heimat. Zugleich waren derPhantasie keine Grenzen gesetzt.- von den raumbedingt aufeine maximale Größe von etwa dreißig Zentimeter beschränk-ten Ausmaßen einmal abgesehen.
Wie die Auswahl, lag auch die Kommentierungganz in den Händen der Einsender. Allein durch sie und dieOriginalität des Beitrages konstruiert sich Bedeutung, denndie Art der Ausstellung nivelliert bewußt Unterschiede: DerMillionenstadt Wien steht nicht mehr Raum zur Verfügungals dem einen oder anderen 100- Seelendorf, den historischenStädten nicht mehr als jungen Industriegemeinden, die überden örtlichen Rahmen kaum Platz im österreichischenGedächtnis gefunden haben. Bereits mit den ersten Einsen-dungen begann sich ein eindeutiges Schwergewicht bei denSymbolen der Geschichte und der traditionellen Kultur( bishin zum Wappenteller und zum druckfrischen Heimatbuch)abzuzeichnen. Das mag zwar mit den durch den Betreff, Hei-mat und den Ausstellungsort, Museum für Volkskundegeschürten Erwartungshaltungen zusammenhängen, verweistaber doch auch auf die Tatsache, daß sich lokale Identität heutemehr denn je in überlieferten historischen und kulturellenBesonderheiten suchen und( er) finden läßt. Dies jedenfalls istkeine österreichische Spezialität, sondern verweist auf ein ubi-quitäres Phänomen: den Hang zur geschichtlich motiviertenSelbstdeutung.
198