12. KapitelVolkstumspflege
„ Zweck und Ziel des Vereines, Deutsche Heimat(...) bestehen, kurz gesagt, in der Pflege des Deutschtums hin-sichtlich Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft". Volkstum,Volksart, nationales Erbe- das bedeutete im kleingewordenen,ökonomisch hart bedrängten Österreich nach dem Zusammen-bruch der Monarchie vor allem: deutsches Volkstum, deutscheVolksart und deutsches Erbe. Der allseits grassierende An-schlußgedanke, in dem sich die„ doppelte Identität“ des deut-schen Österreichers politisch manifestierte, wurde dabei nichtzuletzt von jenen Organisationen des Heimatschutzes geför-dert, denen all die von ihnen statutarisch als erhaltens- undbewahrenswert festgelegten Güter nur Zeugnisse„ deutschenKulturlebens in Österreich" waren. In diesen Vereinen- wieetwa der ursprünglich im Dienste einer( auch konkret wirt-schaftlichen) Unterstützung der„ deutschstämmigen“ Bevöl-kerung in den ethnisch gemischten Grenzgebieten stehenden„ Südmark"- wurde bereits lange vor 1938 der„ Kampf gegenden, österreichischen Menschen" geführt und„ Volkstumsar-beit in der harmlosen Attitüde„ alpenländischer" Fest- undFeiergestaltung betrieben.
Die Versatzstücke demonstrativen Traditionsbe-wußtseins wie Volkskunst und Tracht, Lied und Tanz dientenjedoch zugleich auch der„ Erhaltung, Entfaltung und Förde-rung einer spezifisch österreichischen Volkskultur. Diesehatte sich etwa das Steirische Heimatwerk zur Aufgabegemacht, das Viktor Geramb, der Doyen ländlicher Volksbil-dungsarbeit, wohl nicht zufällig anno 1934 im Rahmen seinesGrazer Museums als Instrument praktischer Umsetzung volks-kundlichen Wissens etabliert hat. Von offizieller staatlicher
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