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Schönes Österreich : Heimatschutz zwischen Ästhetik und Ideologie ; [Sonderausstellung, 26. Oktober 1995 bis 25. Februar 1996 ; Begleitbuch und Katalog]
Entstehung
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9. KapitelHeimatkunde

Der Österreich- Stempel im karierten Heft, die Bun-deslandkarte an der Wand, die Wiesenblumen im Glas oderdas ausgestopfte Murmeltier gehören zu den generationen-übergreifenden, festen Volksschulerinnerungen. Ihre Bot-schaft: Das Bild geht vor dem Wort, die vertraute Nähe willpädagogischer Filter für die Fremde sein, die Einfachheit desEingeprägten wird zum kleinsten Nenner des verbindlichÖsterreichischen.

Sammlung und Unterweisung von Heimatlichemsind eine legistische Erfindung der Ersten Republik. Nachimperialer Größe war Wendung nach Innen angezeigt, war,, bodenständiger Unterrichtsstoff" im Kleinen gefragt. DerLehrausflug auf einen nahen Bauernhof, das Zusammentragenlokaler Sprichwörter und das Abzeichnen von Trachtenstückenverwirklichten mit ausdauerndem Fleiß, was 1919 Intentiondes sozialistischen Unterstaatssekretärs für Unterricht OttoGlöckel und auch Sache des Heimatschutzes war: die schuli-sche ,, Eroberung der Heimat".

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Der von Lehrern und zunehmend auch von Lehrer-innen erstellte Katalog des Heimischen zielte über bloßenUnterrichtsstoff hinaus. Heimatkunde führte oft mitschablonenhaften Anleitungen direkt zu Forschung undVolksbildung. Heimatbücher und Heimatmuseen, die heutzu-tage zum kulturellen Inventar fast jeder Gemeinde gehören,verdanken ihr Entstehen größtenteils dieser heimatbewegtenLehrerschaft.

Die Stehsätze des Bodenständig- Österreichischenkönnen heutzutage auf Pädagogen- Heimatkunde verzichten.Heimat hat sich in Wort und Sache aus der Schule verflüch-

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