10. KapitelHeimatbücher
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Heimatzeichen
Nie war soviel von Heimat die Rede wie in diesemJahrhundert, das angeblich so heimatlos geworden ist. Und niewurde soviel Mühe darauf verwandt, der Heimat Kontur zuverleihen. Dies geschah- auch fernab organisierten Heimat-schutzes zunächst vor allem in Wort und Schrift und in derganzen Bandbreite von scheinbar harmlos beschworener Idyllebis hin zur Propaganda im Dienste autoritärer undnational( sozial) istischer Volkstumspolitik. Daneben gibt es diefür die öffentliche Wahrnehmung wohl kaum weniger folgen-reichen Ästhetisierungen durch Bilder und Zeichen: Signale,die über Jahrzehnte einen verläßlichen Fundus für die knappeBotschaft ,, Schönes Österreich!" darstellten.
Ein Land, das nach verlorener imperialer Größezwangsläufig und dennoch selbstgewähltermaßen seine natio-nalen Symbole im Alpinen, der österreichischen Steigerungs-form des Naturschönen, zu suchen hatte, konnte dabei auf eingut durchmodelliertes Motivrepertoire zurückgreifen. Schonim 19. Jahrhundert hatten bürgerlicher Naturgeist und ideali-stisch überformte Romantik brauchbare Metaphern und einefacettenreiche Ikonographie für die SehnsuchtslandschaftAlpen vorbereitet. Die zwanziger und dreißiger Jahre verstan-den es noch dazu, dem Alpinen mit dem musisch Barockeneine zweite Qualität an die Seite zu stellen, die ihre Deutungals Verbindung zwischen alter Herrlichkeit und überlieferterwie wiederersehnter Volkstümlichkeit erfuhr. Das Symbol-Gespann war ein einfaches, und was so deutlich und direktsprach, konnte auch jederzeit neu gewendet werden.
Wenn mit Edelweiß und Enzian soviel Heimat inden Dekor der, guten österreichischen Form' floß, wenn sovieleBilder des Gesamtkunstwerks, Volk- Natur- Geschichte zwi-
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