Druckschrift 
Schönes Österreich : Heimatschutz zwischen Ästhetik und Ideologie ; [Sonderausstellung, 26. Oktober 1995 bis 25. Februar 1996 ; Begleitbuch und Katalog]
Entstehung
Seite
112
Einzelbild herunterladen
 

7. Kapitelz.B. Steyr

Der charakteristische Vertreter des Heimatschutzessitzt nicht im Wiener Dachverband oder in den Landesverbän-den. Er ist Ausschuß- und Vorstandsmitglied jener lokalenVereine, in denen die Heimatschutzbewegung erstmals orga-nisatorisch Gestalt angenommen hat und die auch nach Grün-dung des österreichweiten Dachverbandes wert auf Unabhän-gigkeit und selbstständigen Wirkungskreis legten.

Diese in kleinstädtischem Ambiente angesiedeltenHeimatpflegevereinigungen waren die Plattform, auf der eineingesessenes Provinzbürgertum einem lokalen Natur- undDenkmalschutz nachging. Für ihr gesellschaftliches Milieuwie auch für ihre konkreten Aktivitäten, die oft nicht über diedurchschnittlichen Anliegen von örtlichen Verschönerungs-vereinen hinausgingen, ist die 1911 gegründete Vereinigung, Heimatschutz in Steyr exemplarisch. Ihr Gründungskomi-tee rekrutierte sich ausschließlich aus illustren Mitgliedern derSteyrer Bürgerschaft: Der Tonöfen- und KeramikfabrikantRudolf Sommerhuber, Obmann des Steyrer Gewerbevereinesund deutschnationaler Gemeinderat, übernahm die Rolle des1. Vorstands, Schriftführer wurde der Gymnasialprofessor undMundartdichter Georg Goldbacher, der übrige Ausschuß setz-te sich aus weiteren Lehrern, dem Stadtpfarrer, dem Stadtarzt,dem Bezirkssekretär, dem Obmann des lokalen Haus- undGrundbesitzervereines zusammen.

Von Anfang an sah der Verein den Schwerpunkt sei-ner Tätigkeit statutarisch im Schutz des Stadtbildes vor jederArt von Entstellung und damit in einer emsigen Baubera-tungstätigkeit, die von der Erneuerung von Gasthausschildernund der Restaurierung schmiedeeiserner Grabkreuze bis zurErhaltung des historischen Stadtkerns der expandierenden

112