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Schönes Österreich : Heimatschutz zwischen Ästhetik und Ideologie ; [Sonderausstellung, 26. Oktober 1995 bis 25. Februar 1996 ; Begleitbuch und Katalog]
Entstehung
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6. KapitelTagungen

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Ab 1921 fanden jährlich mit Ausnahme von1932, 1937 und 1938 große Zusammenkünfte der Heimat-schützer Österreichs statt, die durch die mehrmalige Teilnah-me des Bundespräsidenten halboffiziellen Charakter annah-men. Auf drei Tage anberaumt, hielt sich das Programm anfeste Vorgaben. Neben zahlreichen Referaten wurden Ausstel-lungs- und Museumsbesuche organisiert. Exkursionen führtenan jene Orte, die dem Geschmack der Mitglieder entsprachen.Denn die selbst hergestellte Eigenart der Heimat fand sichvor Ort in Gebäuden, Baumgruppen, aber auch im Volk".Eigens inszenierte Heimatfeste samt Tracht, Spiel undVolksmusik sollten die Volkstümlichkeit des Heimatschutzeseindrucksvoll belegen. Und doch: Die organisierten Auf-führungen unterschieden sich letztlich nur wenig von jenen,die Ausgangspunkt heimatschützerischer Kritik waren und alsvom Industriezeitalter produzierte Verfälschungen beklagt

wurden.

Solche Widersprüche finden sich in den Tagungs-programmen zuhauf. Ging es dem einen Referenten um die Technisierung des Menschen, so pochte ein anderer auf,, Heimatschutz und Familie". Derart waren verwertbareTagungsergebnisse selten und auf kleine Erfolge beschränkt.In Gmunden 1934 etwa, wo Fremdenverkehr und Heimat-pflege" zur Behandlung anstanden, kam es lediglich zu einer geharnischten Entschließung: Gefordert wurde die Entfer-nung einer Reklametafel der Traunseer Schiffahrtsstelle amLandungssteg in Ebensee.

Gleichfalls ohne Erfolg blieb der heimatschützeri-sche Versuch, selbst Alltagskultur zu werden. Der gern popu-

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