5. Kapitel
Ausstellungen- Musealisierung
Das Kulturverständnis der Heimatschutzbewegungwar ein museales. So sehr ihre Programmatik vorgab, auf dieZukunft zu zielen, so sehr stand das Konservierende im Mit-telpunkt der Interessen. Die Ausstellungen und Museumskon-zeptionen der Bewegung haben jedoch nicht nur den Kanonder Überlieferung bestätigt, sondern vielmehr erst einumfangreiches Inventar dessen angelegt, was des Schutzes undder Pflege würdig erschien. Oft genug gezeigt, oft genugerklärt, fand es Eingang in Geschichtsverständnisse undGeschmackshaltungen, wie sie jahrzehntelang Österreichs kul-turelle Alltagsverfassung bestimmen sollten.
Neu an dieser Konzeption waren weniger die Inhal-te als die Argumentationsweisen und Deutungsmuster, die dasÜberschaubare und augenscheinlich Unbedeutende in denMittelpunkt ihrer heimatkundlichen Andacht stellten. AusMuseen als Bewahranstalten sollten Stätten der Volksbildungwerden, und Wanderausstellungen sollten in lehrbuchartigerZusammenstellung und dem Medium Photographie reichlichvertrauend Ziele und Wirken der Bewegung unter die Öffent-lichkeit bringen. In plakativer Polarisierung, guter undschlechter Beispiele und unter historisch legitimierendemEinsatz etwa von Modellen alter Baudenkmale aus Stadt undLand fanden Natur und Geschichte ihre Gleichsetzung als ver-bindliche Werte. Dies alles war zutiefst erzieherisch gedacht;selbst bei damals brennenden Themen wie etwa, Heimatpfle-ge und Fremdenverkehr' oder, Landschaftsschutz' verließ mansich auf Beratung durch historische Vorbilder. Über allemstand der Wunsch nach Lebensnähe, unter anderem realisiert
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