Das Österreichische
Vom Schönen in Natur, Volk und Geschichte
-
,, Als Manifestation gegen das Älplertum" will dieneue, kürzlich in einem Salzlager in Hall eingerichtete TirolerKunsthalle verstanden werden. Sie sei – so der Grazer Medien-philosoph Richard Kriesche bei der Eröffnungsrede weitergar ein geeigneter, regionaler Platzhalter für den Österreich-Schwerpunkt der Frankfurter Buchmesse. Und wenn auch einBeitrag für„ Tradition und Identität der Region“ zugestandenwürde, dürften doch keinesfalls Ort und Inhalt„ zu einer Pro-vinzbühne“ des„, touristischen Älplertums" verkommen.' Miteinem ähnlichen Sprachbild argumentierte kürzlich RobertMenasse. In provinziellem Gehabe„ jodelten“ die österreichi-schen Literaten den deutschen Lesern unentwegt ins Ohr:,, Vergiß nicht, das kommt aus Österreich." 2
, Vergiß nicht, das kommt aus Österreich- die Ver-ständigkeit von Jodeln und Älplertum läßt auf einen gemein-samen nationalen Begriffshaushalt schließen, denn die fürKunst und Literatur freigemachten eindeutigen Assoziationenfinden in einer- zwar zugegebenermaßen- selektiven Inventurvon Österreich 1995 problemlos Fortführung: Das, Fest derFreiheit im April, als, 50 Jahre Zweite Republik'- Erinnerungauf dem Wiener Heldenplatz von den„ gnadenlos Guten"( Antonio Fian) durchgeführt, leistete literarische und musikali-sche Überzeugungsarbeit. Neben allem Möglichen wurden,trotz der sonst schnell geäußerten Kritik, auch die Dienste der„ Schürzenjäger" angefordert. Daß dies mit gutem Grundgeschah, fand andernorts Erklärung.„ Fünf Stützen des volks-tümlichen Schlagers" kämen, was nicht nur Meinung des Kaba-rettisten Josef Haderer, sondern längst schlicht- resignativerAllgemeinplatz ist, eben beim„ kleinen Mann“ besser an, als,, alle Intellektuellen des Landes".3 Der derart umworbene und
31