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2. Kapitel
,, Heimatschutz und Bauberatung"
- eine Ausstellungsrekonstruktion
Im Sommer 1914 beschloß die„ Sektion 4 Städte-bau und Besiedelungswesen der Gruppe XIV Bauwesen" desdamals im Aufbau befindlichen Technischen Museums fürIndustrie und Gewerbe die„ Aufstellung einer AbteilungHeimatschutz und Bauberatung“. Damit konnte sich inner-halb des in Konzepten als„ plastisches Lehrbuch der Techno-logie“ bezeichneten Museums die Fortschrittsskepsis einenfesten Platz behaupten. In dichter Konfrontation mit denZeugnissen der technologischen„ Entwicklung von Industrieund Gewerbe im 19. Jahrhundert“ und mit denselben gestal-terisch- didaktischen Mitteln sollten Ästhetik und Ideologieder in Österreich damals noch jungen Heimatschutzbewegungihre populäre Veranschaulichung finden.
Über ein Rundschreiben an die einschlägigen Ver-eine legte der Fachkonsulent Karl Giannoni, der Generalse-kretär und Motor im„ Verband österreichischer Heimatschutz-Vereine" und ,, K.k. Fachkonsulent für Heimatschutz des Mini-steriums für öffentliche Arbeiten", in den Kriegsjahren 1914bis 1916 ein Inventar schützenswerter nationaler Kultur an.
Die eingesandten Modelle typischer vorindustriellerArchitekturdenkmäler( v.a. von Bauernhäusern aus den Alpen-ländern) verdeutlichte er mit didaktisch eindringlich gestalte-ten Text-/ Bildtafeln, in denen die Vorschläge des Heimat-schutzes für eine fortschrittskorrigierende Entwicklung öster-reichischer Landschaftsgestaltung und Baukultur( nach demals stilprägend zu bezeichnenden gut/ schlecht- Schema) vorAugen geführt wurden. Neben ländlichen und alpinen Bei-spielen wurde bei der Auswahl des Bildmaterials vor allem aufdie Bautradition des Mittelalters, der Renaissance und des