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Schönes Österreich : Heimatschutz zwischen Ästhetik und Ideologie ; [Sonderausstellung, 26. Oktober 1995 bis 25. Februar 1996 ; Begleitbuch und Katalog]
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13. Kapitel

Die verdorfte Stadt

Wer spielt wen?"- Die amüsiert empört gestellteFrage von Anton Kuh war auf Dörfliches gerichtet. Denn dieRAVAG setzte von Anfang an auf Hörspiele mit älplerischemGepräge, bei denen nur schwer zwischen Sprecher und Rolleunterschieden werden konnte. Gleichfalls in einfältiger Litaneihörte sich der Ansager zum großen Volkstrachtenfestzug inWien anno 1926 an: hier kommen die wackeren Innviert-ler von ihrer Musikkapelle geführt in ihren schmuckenweiẞroten Trachten... es folgen die trefflichen Mühlviertlerin farbenfrohes Blaugelb gekleidet... an der Spitze ihre Musik-kapelle..."

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Anhäufung und Eintönigkeit führen notwendig ineine Richtung. Daß nämliches Wien in der Zwischenkriegszeitin Alpinem ,, versumperte", war nur bedingt objektiver Tatbe-stand und kann auch nicht einzig den sich almerisch gebendenTraditionsverbänden zugeschrieben werden. Aber deren kräfti-ge Folkloremotive brachten mit Fahnen ,, Steirerhütel', Dialektund, Schuahplattler- Kirta' auf den Punkt, was urbanen Zeit-genossen wie Otto Bauer oder Hugo Bettauer als kulturelleVerdorfung der Metropole bedrohlich erscheinen mußte.

Im symbolisch und politisch aufgeladenen Kon-fliktfeld Stadt- Land waren heimatliche Zeichen und Beschrei-bungsmetaphern gängig. Zum Einsatz kam mit Dorf ein hei-matschützerisch gedeuteter Begriff, dessen Gehalt das Kleine,Umgrenzte und Gewachsene signalisierte. Zugespitzt warDorf aber auch ein direkter Verweis auf Ländlich- Provinzielles,der den vornehmlich volkskulturellen Symbolschatz der Bun-desländer thematisierte.

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