1. Kapitel
,, Heimat"- volkskundlich
,, Schönes Österreich" ist eine Ausstellung über dieEntstehung kollektiven Heimatverständnisses in diesem Jahr-hundert. Sie zeigt, wie aus dem Fundus eines zum, Öster-reichischen deklarierten Erbes verbindliche Vorstellungennationaler Eigenart kreiert wurden. Im Dialog von Bildern,Dokumenten und Objekten wird die Überhöhung von Ver-satzstücken aus Natur, Kultur und Geschichte zu schlagkräfti-gen Symbolen nachgezeichnet, deren Rolle im Alltag öffentli-cher Wahrnehmung heute kaum mehr bewußt ist.
Zur Konstruktion und Popularisierung nationalerWertvorstellungen hat die österreichische Heimatschutz-bewegung um die Jahrhundertwende nach deutschem Vor-bild gegründet wesentlich beigetragen. Einer spätromanti-schen ,, rückwärtsgewandten Fortschrittlichkeit“ verpflichtet,widmete sie sich, ausgehend von einem staatlich gefördertenDenkmalschutz, der Erhaltung von Orts- und Landschaftsbild,von Kunst- und Naturdenkmalen. Zugleich erhob der 1912gegründete„ Verband österreichischer Heimatschutzvereine"die Pflege und Wiederbelebung„ volkstümlicher Art in Gerät,Tracht, Brauch und Musik“ zu seinem Programm.
Am Beispiel alltäglicher, scheinbar marginalerErscheinungen fragt die Ausstellung nach den Mechanismenund Bedürfnissen, die Relikte ländlich- bäuerlichen Lebensund Schaffens zu Emblemen, heimischer Volkskultur undNatur zur, österreichischen Landschaft' formten. Sie zeigt etwadie Stilisierung von Trachten zu Abzeichen heimatlicher Ver-bundenheit, von volkstümlicher Keramik zur, guten öster-reichischen Form, von Alpenblumen zu nationalen Signalendes Natürlichen, von bestimmten Bauformen zu Erkennungs-zeichen bodenständigen Bauens.
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